Japan vom 14.09.-26.09.2019

Senso Ji Tempel
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Tokio Skytree, zweithöchste Gebäude der Welt, eröffnet 2012

Nun sind wir schon einige Tage in Japan.

7 Tage waren wir in Tokio, haben die Tage mit unseren Freunden verbracht.

Wir genießen das japanische Essen, schauen uns in den Kaufhäusern um, fahren mit dem Fahrrad, dem Bus und den diversen Zügen. Sind durch Reisfelder mit dem Fahrrad gefahren, haben uns einen Tempel in Tokio angeschaut usw.

Highlight war sicherlich die Sumo Meisterschaften, die gerade in der Ryougoku Halle in Tokio bis zum 22.09. stattfinden. Dafür mussten wir zwar bereits schon um 4 Uhr früh aufstehen, denn jeden Tag werden noch 400 Karten für die Veranstaltung frei verkauft. Um noch eine dieser Karten zu bekommen, muss man sich aber persönlich anstellen. Man erhält nur 1 Karte pro Person. Aber wir haben den 1. Zug pünktlich bekommen, standen um 6 Uhr in der Schlange, um 7:45 Uhr öffnete dann der Schalter und wir bekamen unsere Karten. Es hat sich tatsächlich gelohnt, es war äußerst spannend sich die Kämpfe anzuschauen. Wir hatten sogar Glück, das wir gerade dort in der Schlange standen, wo die Sumoringer ankamen und ins Stadion gingen.

Hier sind wir in einem Grillrestaurant.

Namiki Yabusoba, eines der ältesten Nudelrestaurants in Tokio
Bus in Machida-Shi
Wir haben keinen Überblick, gut das wir Etsuko haben!
Wir freuen uns es geschafft zu haben, denn die Schlange hinter uns füllt sich schnell. Eine halbe Stunde später und wir hätten keine Tickets mehr bekommen.
Die Sumos treffen ein. Jeder trägt seinen individuellen Jukata!
Wir sind die Nummer 100, 101 und 102 in der Schlange.

Am Anfang kämpfen die jungen Kämpfer, die Zuschauertribünen sind noch leer!

Zum Schluss kämpfen die besten Sumos, die sich alle am Anfang gemeinsam präsentieren und dann der Reihe nach kämpfen.

Am 20.09. sind wir dann gemeinsam mit Uwe und Etsuko nach Hiroshima geflogen, die Fahrräder im Gepäck. In Hiroshima besuchen wir eine Tapir Kundin und dann geht es mit Schiff und Fahrrad weiter nach Matsuyama und dann auf dem Fahrradweg über die kleinen Insel über riesige Brücken bis nach Onomichi und zurück zum Flughafen Hiroshima. Am 26.09. fliegen wir wieder von Tokio Haneda Flughafen zurück nach Deutschland.

Unser Zimmer im Mitsui Garden Hotel

In Hiroshima haben wir uns das Hiroshima Peace Memorial Museum angeschaut. Es ist wirklich erschreckend, was damals 1945 in dieser Stadt passiert ist und was man den unschuldigen Kindern und Menschen angetan hat. Die Atombombe der Amerikaner hat soviele unschuldige Menschenleben unter großen Qualen getötet und ausgelöscht sowie die gesamte Stadt zerstört. Auch danach gab es noch viele Menschen, die unter den Folgen der Radioaktivität gelitten haben, bzw gestorben sind.

Jeder, der Waffen baut, verkauft und benutzt sollte sich diese Bilder anschauen. Krieg ist so widerlich! Leider lernen wir immer noch nichts daraus!

Make Peace not War!

Der 21.9. Ist der Friedenstag und einige Jugendliche haben zu festgelegten Zeiten ein paar Plakate hochgehalten und für den Frieden demonstriert.

Ein UN-Generalsekretär hat dann um 12:00 Uhr die Friedensglocke geschlagen.

9.9.2019, wir sind in Vladivostok angekommen! Am 14.09.2019 Abflug nach Tokio, buy buy Russland

Glücklich und wahnsinnig dankbar für alle lieben Wünsche, die uns bis hier hin begleitet haben, sind wir am 9.9.2019 in Vladivostok angekommen. Wir haben soviel auf dieser langen Reise erlebt, soviel nette und interessante Leute kennengelernt und uns, dass war das wichtigste, selbst wieder erfahren. Suuuuper, wir haben es tatsächlich geschafft! ? Ohne Stress, ohne Krankheit, ohne Streit, ohne Unfall, mit ganz viel Liebe und Glück!?
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Vladivostok ist eine sehr schöne Stadt, eine Mischung zwischen Hamburg, Helsinki und Istanbul, aber wahrscheinlich sollte man Städte nie vergleichen, denn jede Stadt hat seine Besonderheiten.

Bodo erzählt mir immer wieder, wie die Stadt und einzelne Häuser 1993 aussahen, als er im Winter in Vladivostok gewesen war. Damals war alles im Umbruch, es gab nicht viel in der Stadt zu kaufen, alles war heruntergekommen. Die Leute versuchten hier neue eigene Wege zu gehen, es konnten eigene Geschäfte aufgemacht werden. Damals hatte Bodo auch Sergey kennengelernt und ihm bei seinen Einkäufen in Deutschland unterstützt.

Es fuhr in 1993 noch eine Straßenbahn, davon sieht man gar nichts mehr. Dafür fahren unendlich viele japanische Auto die Straßen entlang. Wer Geld hat und es auch allen zeigen möchte, fährt Porsche Cayenne, Mercedes G Klasse oder Audi Q7 andere SUVs aus Deutschland.

Die Straßen sind oftmals verstopft und es staut sich der Verkehr. Die beiden neuen Hängeseil Brücken, die für eine Riesensumme gebaut wurden entlasten den Verkehr. Nun können die Autos auch über die Brücke zu der Insel Russkyi fahren, wo letzte Woche auch die Far East Conference stattgefunden hat. Diese Veranstaltung blockiert zwar trotzdem noch das Leben in der ganzen Stadt, doch lt. Juri war das vor den Brücken noch viel schlimmer.

Die Luft ist in der Stadt trotz des Verkehrs frisch. Wir sind heute durch viele Alleen gegangen und die Stadt wirkt grün.

Mit der Schmalspurbahn sind wir zu einem wirklich schönen Aussichtspunkt gefahren. Das letzte Stück mussten wir laufen.

Von dort oben hat man eine superschöne Aussicht über die ganze Stadt. Man sieht hier, wie hügelig die Stadt ist. Das hat mich sehr gewundert, weil ich es nicht vermutet hatte. Aber bei der Besichtigung der Stadt am 1.Tag ist es mir schon aufgefallen. Egal welche Straße wir entlanggingen, meistens natürlich bergauf, entdeckten wir auf der Kuppe bereits schon wieder das Meer.

Und dann entdeckt man viele schöne Häuser, unter anderem auch wieder das Kaufhaus der Kaufmänner aus Hamburg, die Geschäftspartner Kunst & Albers, hier heißt es Gym, deren Dependance wir ja bereits schon in Chaborovsk und in Blagoweschtschensk bewundert hatten. Immer noch sind diese Gebäude gut erhalten, aber mittlerweile stehen viele Geschäfte leer und leider machen sich auch dort die Marken breit wie Zara u.ä. die man in jeder großen Stadt findet.

Café im Kaufhaus Gym, wo wir heute ausnahmsweise einmal gefrühstückt haben.

Haus in der 2.Reihe

Und natürlich gibt es wieder viele Denkmäler

Wieder ein Tor extra gebaut für den Zarenbesuch

Dann mussten wir uns unbedingt den Bahnhof anschauen, die Endstation der Transsibirischen Eisenbahn.

Und es gibt auch einen Platz am Meer, wo gebadet, gespielt, gegessen und getrunken wird. Ein einziger Jahrmarkt…

Also, wie man sieht, ist Vladivostok eine sehr lebendige Stadt. Hier leben ungefähr 600.000 Einwohner, aber die Anzahl der Touristen scheint auch nicht gering zu sein. Hauptsächlich allerdings Chinesen, Koreaner oder Japaner. Europa ist einfach zu weit weg!

Dennoch, die jungen Leute zieht es in Richtung Moskau, Vladivostok ist für sie wohl doch nur „das östliche Ende der Welt“.

Wir jedoch genießen die Stadt. Hier hat es in den letzten zwei Wochen fast immer geregnet, aber jetzt scheint die Sonne.

Morgen Abend treffen wir uns doch noch mit Irina und Genii, die sich heute endlich bei uns gemeldet haben. Sergey konnte es leider nicht einrichten nach Vladivostok zu kommen, was wir sehr bedauern, aber auch verstehen können.

13.09.2019

Wir hatten einen sehr schönen Abend mit Irina, ihrer Schwester, Genii und seiner Frau Nina sowie Nikita (9 Jahre alt).

Irina haben wir das letzte Mal vor ca. 15 Jahren getroffen und wir haben uns alle so gefreut, das wir uns noch sehen konnten.

Sergey wurde per Video dazugeschaltet, damit er wenigstens etwas sagen konnte.

Die Zeiten in Russland sind derzeit nicht so gut, wir haben auf unserer Reise ja auch schon feststellen müssen, dass das Leben hier echt teuer ist. Irina ist nun auch schon pensioniert, in Russland wird man mit 55 Jahren in den Ruhestand geschickt. Sie hat jedoch seit 3 Jahren ein kleines Blumengeschäft und erfreut sich nun diesem Geschäft und natürlich deren Einnahmen.

Wir haben über die alten gemeinsamen Erlebnisse gesprochen, über unsere jetzige Situation und die Familien. Der Abend war viel zu kurz und wir hoffen sehr auf ein weiteres Treffen in einer kürzeren Zeit als das letzte Mal. Genii hat uns dann ins Hotel gebracht und ließ es sich nicht nehmen,uns auch am nächsten Morgen zum Flughafen zu bringen. So konnten wir uns doch noch ein wenig unterhalten.

Danke für den schönen Abend und Auf Wiedersehen ? ?

20.000 Kilometer „on the road“

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Wir sind Stolz auf unseren Tapir Volvo P145, super, 20.000 Kilometer! Wir freuen uns zusammen mit dem glücklichen Tapir!

Und heute sind wir drei Monate unterwegs!

Immer noch genießen wir jeden Tag und freuen uns auf die weitere Reise, denn sie bringt uns auch unserer Heimat wieder ein Stück näher. Bald treffen wir unsere Freunde und darauf freuen wir uns besonders! Das Ziel ist so nah!

Der Baikalsee und sein Abfluss der Angara!

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Einige Infos zum Baikalsee und dem Fluss Angara! Mit diesen Angaben kann man in etwa die Weite und Größe auch von Sibirien ermessen.

Ein paar Tage werden wir uns nun hier aufhalten und von Irkutsk bis Ulan-Ude fahren.

Der Baikalsee ist 1642 Meter tief, zwischen 27 km – 80 km breit und 636 km lang. Die Oberfläche entspricht 31500 Quadratkilometer.

Sein Alter wird auf 25 Millionen Jahre geschätzt. Er ist das größte Süßwasserreservoir der Erde, hier liegen etwa 20 % der Süßwasserreserven der Erde.

Der Fluss Angara fließt vom Baikalsee in den Fluss Enesej, an dessen Ufer wir in Krasnojarsk bereits so lange gesessen hatten. Der Angara ist 1779 km lang und praktisch auch im Süden ein Nebenfluss vom Enesej. Der Fluss Enesej ist einer der größten Flüsse der Welt mit einer Länge von 4102 Kilometern. Dieser Fluss fließt natürlich in den Norden ins Eismeer.

Wo sind eigentlich Kolle und Uli?

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Ja, das haben sich so einige gefragt…

Unsere Freunde Kolle und Uli sind nach ihrer Rückkehr aus Deutschland erst einmal in Taschkent angekommen und haben dort ihr Auto wieder in Empfang genommen. Dann sind sie auch weiter über die Pässe wie wir nach Kirgisistan gefahren, bis Osh. Leider hat jedoch eine Mittelohrentzündung die Weiterreise verhindert und sie haben sich überlegt nun länger in Kirgisistan zu bleiben, weil diese Landschaft wirklich super ist und Kolle in jedem Fall auch mit seinem 4WD so weit wie möglich zum Pik Lenin rauf möchte. Sie werden uns also mit diesem Rückstand nicht mehr einholen und haben sich eine andere Route überlegt.

So trennten sich also in Samarkand unsere Wege und wir werden uns erst wieder in Deutschland im Herbst wiedersehen.

Es war eine wunderbare und unvergessliche gemeinsame Reise mit Euch durch den Iran, Turkmenistan und Usbekistan. Immer gerne wieder…..

Bleibt gesund und gute Fahrt!⛪️⛺️

Mit dem Oldtimer Volvo P145 Express von Omsk bis Vladivostok, parallel der Transsibirischen Eisenbahn. Russland vom 17.08. – 09.09.2019

Fast 15000 Kilometer hat der Tapir Volvo uns gut durch alle Unebenheiten entlang von Deutschland aus auf der alten Seidenstraße bis nach Russland gebracht, wir sind nun in Omsk. Jetzt heißt es Russisch lernen, denn fast niemand spricht mehr englisch, so lernen wir das Kyrillische Alphabet. Meinen Namen habe ich heute schon aufgeschrieben und der Kellner sollte es vorlesen und tatsächlich, er sagte korrekt, obwohl sie ansonsten beim H immer G sagen, Heike und nicht Geike.

So fangen wir an mit den Übersetzungen der Speisekarte und haben viel Spaß dabei.

Bislang klappt es aber ganz gut und wir bekommen all das was uns schmeckt.

Es grüßen Euch also herzlich
ХАЙКЕ + Бодо

18.08.2019

Auf dem Weg nach Novosibirsk, flache Landschaften, Birkenwälder, Wiesen, ab und zu Sonnenblumen und Mais und sonst nur Weite. Der Volvo gleitet auf der Straße dahin, wir können unseren Gedanken folgen und ich nicke ab und zu mal 20 Kilometer lang ein.

Der Volvo verbraucht wenig Sprit, dafür ist das Hotel auf der Strecke teuer. Wir übernachten in Barabinsk im Hotel Noy, dem einzigen Hotel in der Stadt. Aber wir sind zufrieden, denn im Auto wollen wir nicht übernachten, kaufen uns unser Abendessen im Supermarkt nebenan ein und vespern im Zimmer. Das ist auch einmal ok!

Morgen geht es dann weiter und wir werden in Novosibirsk 2 Nächte bleiben. Die Stadt scheint mehr zu bieten, vielleicht haben wir ja auch noch einmal die Chance ins Ballett oder in ein Konzert zu gehen.

Und am Abend trinken wir dann den restlichen Schluck Vodka aus der Flasche den wir mit den Kirgisen in der Pension getrunken haben. Mit Bitterlemon ist das ganz erfrischend. Endlich klappert die Flasche nicht mehr im Kühlschrank!

на здоровье

19.07.2019

Morgens fahren wir noch schnell zum Bahnhof und haben Glück, der Zarengold steht doch tatsächlich im Bahnhof auf seiner Reise von Moskau nach Peking. Eine kleine Gruppe der Gäste steht am Bahnsteig und wartet auf die Abfahrt. Wir schauen zu bis die Waggons abfahren. Vielleicht sehen wir sie noch einmal auf der Strecke, wir müssten im selben Tempo reisen.

Die Fahrt nach Novosibirsk, die drittgrößte Stadt Russlands nach Moskau und Petersburg, ist angenehm. Die Straßen sind gut und wir fahren im gleichmäßigen Tempo durch Birkenwälder. Auf der Hälfte der Strecke machen wir Pause in einem kleinen Dorf, das allerdings auch schon fast 12000 Einwohner hat. Dort gibt es noch viele kleine alte Holzhäuser mit Schlagläden vor den Fenstern und Blumenrabatten sowie Holzzaun vor der Tür. So habe ich mir die Dörfer in Russland immer vorgestellt.

Es fängt an zu regnen und angekommen in Novosibirsk beziehen wir erst einmal unser Zimmer im City Hotel. Nach dem Regenschauer ziehen wir los mit dem Taxi ins Zentrum. An der Oper angekommen sitzt davor doch tatsächlich die Gruppe aus dem Zarengold mit ihrer Führerin. Bodo spricht sie an und erzählt, das wir sie schon in Barabinsk auf dem Bahnhof gesehen haben. Diese kleine Gruppe ist aus Frankreich. Aber sie haben keine Zeit, die Busse warten und es geht zum nächsten Termin in Novosibirsk. Die Führerin winkt uns noch schnell zu und wir sind froh unser eigenes Tempo bestimmen zu können und schlendern durch die Stadt.

Das Oper- und Baletthaus, Lenin davor schaut uninteressiert weg. Leider gibt es erst wieder im September Vorstellungen.

Die kleine Kapelle auf einer Verkehrsinsel, anscheinend, ich habe es gegoogelt, ist dies keine Kirche, sondern der geographische Mittelpunkt Russlands!?

Ein Denkmal Russlands mit allen Städten und Angabe der Himmelsrichtungen.

Und wir finden das beste Restaurant im Stadtteil, obwohl wir uns eigentlich kein Urteil bilden können, weil wir keinen wirklichen Vergleich haben.

Aber angefangen von der Einrichtung bis über die Aufmachung der Speisekarten, dem jungen Personal bis zum Essen sowie den Getränken ist alles Perfekt. Eine frische russische Küche mit interessanten Gerichten, alles frisch zubereitet und nett serviert. Von außen ist das Restaurant ganz unscheinbar und befindet sich im 1. und 2. Stock. Wir finden es so toll, dass wir uns vornehmen auch morgen noch einmal hier zu essen.

Und das machen wir dann auch, nachdem wir uns auch den Bahnhof von Novosibirsk, das Birkenholzmuseum und noch mehr von der Stadt angeschaut haben. Leider haben fast alle Museen auch Dienstags geschlossen.?

Das Puppentheater, leider die Vorstellung um 11:00 Uhr verpasst

Und hier noch ein paar Fotos des gemütlichen Restaurants Liubit po russki ?

Unsere Vorspeise

Und am 21.08. dann morgens früh um halb Neun Abfahrt im Regen. Nun wird es kälter und wir sind es nicht nur, sondern nein, wir fühlen uns auch ein wenig wie in Sibirien. Nach den heissen Tagen in den vergangenen Ländern müssen wir uns tatsächlich erst wieder an die „Kälte“ gewöhnen. Heute sind es um die 15 Grad gewesen. Aber unser Auto hat ja Heizung.

Straßenbahn in Novosibirsk

Heute müssen wir 650 Kilometer fahren und wir rechnen mit 10 Stunden Fahrzeit.

Das ist für uns eine lange Strecke, aber auf der Strecke gab es kein Hotel. Wir haben alles für eine Pause dabei und fahren nun bereits durch die Taiga. Es wird hügeliger und wir sehen unendliche Birkenwälder. Zum Teil gibt es jetzt auch Kiefern und Pinien und am Wegesrand werden ab und zu kleine Mengen an Zapfen und Pinienkernen angeboten. Ansonsten sieht man wenig Menschen, es gibt ein paar Baustellen und ab und zu ein paar kleine Dörfer.

Es ist doch tatsächlich etwas trostlos hier, das scheint auch auf die Menschen abzufärben. Man sieht kaum fröhliche Gesichter, selbst die Kinder wirken teilnahmslos. Aber in den Dörfern sieht es auch aus, als wenn die Zeit stehengeblieben ist. Es gibt zwar die Hauptstraße, praktisch die Strecke, die parallel der transsibirischen Eisenbahn entlangläuft, aber die kleinen Straßen in den Dörfern sind zum Teil noch immer ungeteert.

Ich habe aber auch den Eindruck, als wenn die Menschen diesen Zustand nicht ändern wollen und sich mit allem abfinden.

Ein Beispiel: beim Tanken muss man hier in Russland immer erst zum Schalter gehen und genau sagen, wieviel Sprit man braucht und sofort mit Karte oder Bar bezahlen. Dann erst wird die Tanksäule freigeschaltet und der Tankwart oder man selbst kann tanken.

Fast niemand spricht hier eine Fremdsprache. Das ist auch ok, denn es ist ja eigentlich unser Part Russisch zu sprechen. Aber was ich damit sagen will, ist, dass die Russen auch nicht ein bisschen auf uns eingehen, selbst nicht mit „Händen oder Füßen“. Das waren wir bislang nicht gewohnt. Es gab immer irgendjemanden, der geholfen hat, bzw. der versucht hat sich mit uns auseinanderzusetzen. Aber hier ist es anders. Ich muss die Sorte des Sprits auf einen Zettel schreiben und auch sofort angeben wieviel Liter. Ansonsten komme ich nicht ans Ziel.

Ich frage mich, ob denn die Schüler in Russland keine Fremdsprachen lernen? Vielleicht mittlerweile Chinesisch, das muss ich in jedem Fall erfragen oder recherchieren.

In den anderen Ländern haben uns unzählige Leute angesprochen und wollten mehr über uns, bzw. Deutschland und die Reise wissen. Es gab viele junge Leute, die in Eigeninitiative Fremdsprachen lernen, um Ihre Situation zu verbessern und um Vorwärts zu kommen. Die neugierig und interessiert dem Leben gegenüberstehen. Hier aber erleben wir gerade wieder eine völlig andere Situation, 16.000 Kilometer von zu Hause entfernt treffen wir auf eine ganz andere Mentalität, die wir erst noch begreifen müssen. Aber wir haben ja noch ungefähr 5200 Kilometer Zeit uns damit auseinanderzusetzen und lassen uns unsere gute Laune nicht verdrießen.

Wir übernachten in Achinsk und müssen dann morgen nur 190 km bis Krasnojarsk fahren. Krasnojarsk liegt knapp 1000 km von Irkutsk entfernt und soll ganz nett sein.

22.08.2019

Krasnojarsk ist tatsächlich schön, es liegt am Fluss Jenissei und das Hotel Ogni Eniseya liegt, wie der Name schon sagt direkt an diesem großen Fluss.

Wir schlendern zum Fluss und verbringen fast 4 Stunden in einem netten Restaurant, genießen die Sonne, den Fluss, das Essen, den Wein und uns.

Als wir zurück ins Hotel gehen, hören wir bereits die Klänge russischer Musik. Auf der Bühne, die uns schon auf dem Hinweg zum Restaurant aufgefallen war, weil dort eine Teeniegruppe lautstark geübt hatte, findet eine traditionelle Musikveranstaltung statt. Und da Helene Fischer ein Kind Krasnojarsks ist, setzen wir uns zum Publikum auf die Tribüne und schauen uns das Programm an. Es könnte ja ein neuer Star dabei sein. Es tanzen Gruppen in traditionellen Gewändern mit Schwert und Peitsche, es singen Chöre und auch ein Tenor. Vor der Bühne tanzen viele Kinder und auch ein paar Erwachsene mit und viele schwenken die russische Fahne und klatschen begeistert. So haben wir doch noch etwas von der lebenslustigen Seite der Russen mitbekommen.

Am 23.08. geht es dann weiter in Richtung Irkutsk, über 1000 Kilometer liegen noch vor uns. Ich habe ein Hotel auf der Hälfte der Strecke gebucht und konnte mich zwischen schlimm und schlimmer entscheiden. Ich habe mich für schlimm entschieden, weil wir auch nicht im Auto übernachten wollten, Regen hat sich auch angesagt. Als wir abends in Nitzhneudinks ankommen finden wir kein Hotel unter der angegebenen Adresse. Ich steige aus, um ein junges Pärchen nach dem Weg zu fragen. Da ruft mich Bodo, ein Mann hat ihn auf Deutsch angesprochen und er will uns den Weg zeigen und fährt mit seinem Auto vorweg. Aber es handelte sich um ein Missverständnis, er zeigte uns das andere „Hotel“ das schlimmere. Wir also gemeinsam zurück auf der Suche nach dem Richtigen. Aber wir finden es nicht. Unser Helfer ruft bei dem Hotel an und der Besitzer wird uns abholen, wir sollen warten.

Und dann schauen wir der Tatsache ins Gesicht.

Wir sind in Sibirien angekommen!

Die lange Strecke von Omsk bis Vladiwostok kann man nur auf dieser einen Autobahn, bzw. einer besseren Schnellstraße sowie mit der Transsibirische Eisenbahn befahren. Ansonsten sind die kleineren Dörfer durch sehr schlechte Straßen miteinander verbunden. Der scheinbar unendliche Wald, die Taiga ist undurchdringlich, es gibt keine Wanderwege. Hier ist man tatsächlich auf sich selbst verlassen und „verloren“. Es ist eine trostlose Gegend, aber um das zu begreifen, muss man es gesehen haben. Und wir wollten diese Erfahrung unbedingt machen!

Der russische Zar und auch Stalin haben hierhin ihre Schwerverbrecher und politische Gefangene verbannt und ins Straflager gebracht.

Und wir alle wissen aus Erzählungen, wie schlimm Sibirien sein kann, denn auch viele deutsche Soldaten haben hier um ihr Überleben gekämpft.

Wir können dies alles jetzt begreifen.

Und nein, so schlimm ist unsere Unterkunft nun doch nicht, sie ist halt der Situation angepasst.

Wir haben eine sichere Unterkunft

Einen Wachhund

Einen hübschen Vorgarten

Ein eigenes Badezimmer

Und zwei Betten

Wir trösten uns damit, das wir morgen am Baikalsee wieder ein schönes Hotel haben und gehen auf Empfehlung des „Hotelbesitzers“ ins Restaurant zwei Häuser weiter.

Als wir dort ankommen hören wir schon extrem laute Musik, eine Hochzeit wird dort gefeiert. Aber auch dies ist für unsere Augen ziemlich trostlos. Vielleicht liegt es auch nur daran, das es schon spät ist, denn die meisten der Gäste können nicht mehr gerade laufen und die hübsch in Tüll gekleideten Mädchen kümmern sich um ihre völlig fertigen Väter.

Aber einige der Gäste tanzen auch noch auf der Tanzfläche zu der lautstarken Musik.

Wir gratulieren dem Brautpaar, das an uns vorbeizieht in Richtung Fluss, mit dem weißen Hochzeitskleid in die Matsche hinein.

Nun ja, wir bestellen unser Essen und auf Empfehlung des Lenneper Clubs auch eine Flasche Wein, was soll’s, es geht uns doch gut. ?

24.08.-25.08.2019

Die Fahrt in Richtung Irkutsk haben wir im Regen erlebt. In Irkutsk selbst stand das Wasser auf den Straßen und wir mussten uns so auf die Straße konzentrieren, das wir die Stadt gar nicht richtig wahrnehmen konnten. Denn unser Ziel ist der Abfluss des Baikalsees, der Angara. Ich habe das Hotel Lukomorye am Baikal gebucht. Dort stehen jede Menge Holzskulpturen, die seit 2011 jedes Jahr im Mai während eines Festivals von diversen Holzkünstlern vor Ort angefertigt und prämiert werden. Wir werden in einem Holzhaus direkt im Wald übernachten. Als wir ankommen hört es fast auf zu regnen. Wir beziehen das Zimmer, es gefällt uns sehr gut und wir schauen uns noch bevor die Sonne untergeht die Skulpturen an. Der Skulpturenweg führt drei Mal zum Fluss und wir genießen die schöne friedliche Stimmung und den Sonnenuntergang.

Es ist eine herrliche Stimmung dort und wir freuen uns nach der schlimmen letzten Nacht wieder in einer schönen Atmosphäre zu schlafen. Das Hotel hat ein Café, in dem wir auch zu Abend essen können. Das Personal ist sehr freundlich, Google hilft uns beim Übersetzen und wir sind froh hier an diesem ruhigen Ort zu sein.

Auch am nächsten Tag sieht alles sehr gut aus, die Sonne scheint, das Frühstück schmeckt und wir fahren zum Baikalsee.

Zuerst fahren wir mit der Fähre auf die andere Seite nach Port Baikal, weil wir dort die alte schwarze Dampflokomotive schnaufend entdeckt haben. Wir hatten bereits schon gelesen, dass auf dieser Seite des Argars die alte Eisenbahnstrecke der Transsib verläuft. Jetzt fahren allerdings nur noch Sonderzüge mit Touristen, aber es soll immer noch eine der schönsten Strecken sein. Am Bahnhof steht ein Zug mit einer schwarzen Dampflok davor und die andere Dampflok steht auch noch dort.

Es sieht nicht so aus, als wenn der Zug bald losfährt. Sie hat wohl die uns entgegengekommene Chinesische Reisegruppe hierhergebracht und wartet auf ihre Rückkehr. So schauen wir uns die alten Schiffe im Hafen an und fahren wieder rüber Richtung Listvjanka. Dort soll eine Seilbahn auf einen kleinen Berg fahren, von dem man einen schönen Blick auf den Balkeisee hat. Mit diesem Sessellift müssen wir natürlich auch fahren.

Als wir mit dem Sessellift nach oben fahren hören wir einen Mann laut jauchzen, ach, jetzt sehen wir ihn, er gleitet superschnell an einem Seil hängend den Berg hinunter.

Und tatsächlich, als wir oben ankommen, steht auch schon ein sportlicher Geselle an einem Stand mit Helmen und Seilen und fragt, ob wir nicht lieber auch schnell am Seil hinunter wollen.

Ich lehne dankend ab, denn für mich ist das viel zu aufregend. Wir genießen einen Augenblick die Aussicht auf den Balkeisee, aber die Aussicht ist trübe.

Viel interessanter ist es den Leuten beim Ausrüsten für die Seilfahrt zuzuschauen. Und ich sehe Bodo an, das er mit sich ringt, klar er nimmt also auch den anderen Weg nach unten.

Ich fahre also wieder mit dem Sessellift runter und mache ein Foto von Bodos rasender Fahrt in die hohen Bäume hinein und abwärts. „Das war toll!“?

Der kleine weiße Punkt vor dem 2.Gebüsch ist Bodo

Nach diesem Erlebnis fahren wir nach Listwjanka rein. Es ist Sonntag und die Straße entsprechend voll. Wir finden keinen Parkplatz, drehen am Ende der Stadt um, kaufen am Weg noch einen geräucherten Omul, den Fisch gibt es nur im Balkeisee und fahren wieder aus der Stadt heraus. Das ist uns alles zu wuselig.

Außerdem muss der Volvo noch gewaschen werden und wir müssen schauen, ob wir eine Werkstatt finden, weil die hintere Kardanwelle Geräusche macht. Auf dem Hinweg hatten wir ein Werbeschild mit einer Werkstatt gesehen und wollen dort noch anhalten. Die Jungs dort reinigen den Tapir Volvo wie es sich für eine gute Autowäsche gehört mit der Hand und Bodo hat wieder freie Sicht.

Von einer Kardanwelle haben sie aber noch nichts gehört, erlauben uns aber Ihre Grube zu benutzen. Wie Bodo schon vermutet hat, das Kreuzgelenk der hinteren Kardanwelle ist angeschlagen. Also werden wir morgen nach Irkutsk reinfahren und eine entsprechende Werkstatt suchen, die es uns repariert.

Irkutsk soll ja auch eine schöne Stadt sein und so werden wir uns nicht nur die Stadt, sondern auch eine Werkstatt anschauen.

Das Wetter soll auch etwas besser werden, am Dienstag soll wieder die Sonne scheinen.

Wir fahren zurück zum Hotel und schauen uns noch einmal die Skulpturen an.

Der saubere Tapir Volvo vor unserem Hotel, oben ist unser Eingang zum Zimmer.

Und hier eine kleine Auswahl der Skulpturen, mit Bezug auf unsere Reise.

Es gibt soviele tolle filigrane Skulpturen, wir haben uns auch das Buch zu diesem geförderten Projekt mit Fotos gekauft.

Metamorphose, aus der Seidenraupe entspringt das Mädchen

Wohl unsere letzten Kamele auf der Reise

Der Bär und die Balkeirobbe

Und noch eins, weil es so filigran ist

Der Aufenthalt im Hotel Lukomorye war so entspannend für uns, dies Hotel können wir nur jedem empfehlen. Selbst unsere schmutzige Wäsche haben Sie uns gewaschen, so wie wir es zu Hause machen würden, für Gäste einfach so, denn der Gast ist Gast!

Links die gute Fee und Wäscherin und rechts eine Studentin, die in den Ferien aushilft

Dann kamen wir sehr früh in Irkutsk an, ich hatte ein Zimmer im Aragan Hotel gebucht und wir konnten schon um 12:30 einchecken. Ich fragte die Damen an der Rezeption nach einer Autowerkstatt für alte Autos, nein nicht die Volvowerkstatt, sondern eher eine Werkstatt für Ladas, also für ältere Modelle. Das jedenfalls war Bodos Wunsch. Sie schauten nach und schrieben mir eine Adresse einer Lada Werkstatt auf. Wir also dahin und es war eine relativ große Werkstatt, die auch Neuwagen verkauft. An der Pforte mussten wir uns melden und eine kräftige Frau in Tarnanzug brachte mich dann, nachdem ihr klar war, das ich sie nicht verstand zu einer Art Anmeldung. Dort saßen 5 Leute im Büro, zwei diskutieren herum, bis eine Frau auf Deutsch uns fragte, was das Problem sei und ich Ihr das erklärte. Dann kam ein älterer Mann, der perfekt Deutsch sprach und der technische Spezialist der Werkstatt war. Er teilte uns dann mit, dass das Auto erst gewaschen wird und dann sehen wir weiter…., ok!

Also, ab in die Wäsche und dann ab auf die Hebebühne. Immer mehr Mechaniker kommen vorbei, um sich dieses Auto anzuschauen. Der Mechaniker sieht sich das Kardangelenk an und schraubt alles auseinander. Das Kreuzgelenk ist schnell heraus und er geht ins Lager. Er kommt zurück mit einem Originalersatzteil vom Lada und siehe da, es passt perfekt! Wir sind überglücklich.

Die ganze Zeit ist der technische Spezialist bei uns und wir können uns mit ihm unterhalten. Er hat Deutsch in der Schule gelernt. Und endlich kann ich jemanden Fragen, welche Fremdsprachen die jetzigen Schüler lernen. Er meint Englisch und auch manche Französisch. ?

Das wir mit dem alten Auto bis nach Vladiwostok fahren, kann er nicht verstehen. Die Straßen dahin seien jedoch sehr gut.

Dann lassen wir noch das Thermostat wieder einbauen, das wir im Iran ausgebaut haben und der Volvo bekommt neues Kältemittel, kein Gemisch mit Wasser, also tauglich für den sibirischen Winter und einen Schuss Öl für die Hinterachse.

Jetzt ist alles ok und wir und der Volvo sind ? zufrieden. Jetzt stehen den nächsten 4000 Kilometern wohl nichts mehr im Weg.

Glücklich fahren wir ins Hotel, sortieren unsere Sachen und machen einen kleinen Stadtrundgang. Jetzt können wir Irkutsk genießen.

Wir finden abends das Lokal Embargo mixology „Drinks and Food“ und sind begeistert von der Atmosphäre, dem Essen und den Getränken. Sehr zu empfehlen.

Am 27.08.2019 schauen wir uns dann die Stadt Irkutsk an, machen den empfohlenen Stadtrundgang und auch noch eine kleine Schiffsreise auf der Angara. Irkutsk gefällt uns gut, es gibt einige alte Häuser aus Holz mit den klassischen Holzverzierungen. Wir schauen uns hinter einer Kirche solch ein altes Gebäude an und ein Mann, der uns sieht erzählt uns, das dies Haus der erste Kindergarten in Irkutsk war. Es soll nun bald restauriert werden, es gehört zu einem Förderprogramm. Ich frage, ob wir es uns anschauen können und er führt uns durch das Haus. Jetzt ist es eine Art Bibelschule. Kleine Kinder erhalten hier Religionsunterricht, es wird musiziert und gebastelt. Auch eine Bibliothek ist dort zu finden. Die christliche Gemeinschaft wächst ganz langsam, aber sie engagieren sich stark in gemeinnützigen Projekten, wie z.B. der Integration von Leuten aus den Gefängnissen oder Menschen mit Behinderungen.

Wir wünschen ihm viel Glück.

Natürlich waren wir auch in den neuen und alten Markthallen. Die alte ist noch aus Sowjetzeit schön grau und ein praktisches Zweckgebäude, die neuere Markthalle ist etwas hübscher anzuschauen. Mich faszinierten die kleinen Buden, vollgepackt bis oben hin mit Ware. Ein kleines Loch wird ausgespart, dahinter verbirgt sich die Verkäuferin, um die Ware gehen Geld zu tauschen.

Den Abend lassen wir dann wieder im Embargo mixology ausklingen.

Am 28.08.2019 geht für uns die Reise weiter nach Ulan-Ude.

Wir fahren durch ein bergiges Gebiet und ein Stück am Balkeisee entlang. Die Landschaft ist lieblich, am Wegesrand sitzen immer wieder Leute die ihre selbstgepflückten Beeren und Pilze anbieten oder Gemüse aus dem Garten.

Kurz bevor wir den Baikalsee verlassen wollen wir ihn noch einmal genießen und ein Picknick am See machen. Wir kaufen am Wegesrand einen frisch geräucherten Omul und finden eine Straße mit Unterführung durch die Bahn, denn die Transsibirische Bahn begleitet uns die ganze Zeit.

Das war genau die richtige Abzweigung. Der Baikalsee mit Kiesstrand und einigen Baumstämmen zum Sitzen. Wir fahren noch ein Stück und kommen zu einem Steg, auf dem wir toll sitzen können. Zwei Pärchen sitzen auch am Weg beim Picknick. Die eine Frau kommt auf uns zu, gibt uns die Hand und sagt wir müssen unbedingt noch ein Stück weiterfahren nach dem Picknick, dort ist ein Museum. Ok, werden wir machen.

Aber erst einmal genießen wir das schöne Plätzchen am See mit der leichten Brandung, dem frischen Wind und den Möven.

Das Museum ist ganz interessant, es gibt Informationen über den See und dessen Flora und Fauna. Sie erläutert die Zerstörung der Fischbestände durch Überfischung. Z.B. wurde der Omul sogar exportiert. Um die Bestände der Fische und damit die Natur zu schützen durften eine Zeit lang keine Fische mehr gefangen werden. Auch gab es Programme die Fische zu züchten und auszusetzen. Durch diese Maßnahmen hat sich die Population der Fische wieder regeneriert. Es wurden viele Ranger ausgebildet, die sich um die Belange der Natur rundum den Baikalsee kümmern. Selbstverständlich ist auch die Verschmutzung durch die Zuflüsse ein Thema. Und es wird anschaulich demonstriert, wieviel sichtbarer Müll jedes Jahr aus dem Baikalsee gefischt wird. Wir Menschen werden dort zu Recht als Müllproduzenten bezeichnet. Und jeder sollte bewusster mit seinem Müll umgehen, bzw. Müll vermeiden.

Alleine schon, damit sich weiterhin die Baikalrobben wohl fühlen.

Wir mussten leider weiter, denn unser Weg ist noch lang.

Doch die Landschaft war abwechslungsreich und so erreichten wir zwar spät aber zufrieden das Hotel Baikal Plaza.

Nachdem wir das Zimmer bezogen hatten und einer wohltuenden Dusche haben wir uns für das Hotelrestaurant entschieden. Das war eine gute Wahl, es gab traditionelle Burjanische Gerichte und diese schmeckten unglaublich gut. Endlich konnte ich einmal Pilze bestellen.

Nun ja, bei diesem Abendessen ist bei uns beiden der Gedanke aufgekommen nicht mehr in die Mongolei zu fahren und uns lieber mehr Zeit in Ulan Ude zu nehmen.Die Burjaten sind nämlich eine mongolische Ethnie in Sibirien in der Region Irkutsk und in der Balkeiregion bis natürlich Ulan Ude. Es gibt hier soviel über diese Minderheit zu entdecken und zu erfahren.

In Ulan Ude gibt es zudem noch mehr zu entdecken, vor allem die Buddhistischen Klöster haben es uns angetan. Die wollen wir uns in jedem Fall in Ruhe anschauen.

29.08.-01.09.2019 Ulan-Ude

Am Vormittag suchen wir erst einmal das Zentrum für Burjatische Kultur auf. Wir haben auf einem Plakat gelesen, das dort noch in den nächsten Tagen eine Vorstellung von traditionellen Tänzen und Gesängen stattfinden soll. Doch wir kommen in dem Gespräch mit den Mitarbeitern dort trotz Google nicht weiter.

So fahren wir erst einmal mit dem Bus zum Buddhistischen Kloster Datsan Rinpoche Baghsa. Dieses Kloster liegt oberhalb der Stadt Ulan Ude und man hat von dort einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt.

Es ist ein schöner Ort zum Entspannen. Nachdem wir uns die Buddhafiguren und die Tempel angeschaut haben, gehen wir durch den „Wimpelwunschpfad“ und hängen auch ein Tuch auf. Wir bedanken uns für die glückliche Reise, die wir bislang hatten und wünschen uns eine weitere gute Fahrt. Dann spazieren wir durch den Park entlang der 12 Chinesischen Tierkreiszeichen. Selbstverständlich wird ein Foto beim Tiger und beim Schwein gemacht.

Als wir wieder unten in der Stadt sind, gehen wir noch kurz zum Lenindenkmal, das direkt gegenüber von unserem Hotel steht. Es ist eine riesige Leninbüste, der Kopf ist 5 m hoch. Dort angekommen sehen wir doch tatsächlich einige Autos der Mongol Rally. Diese Fahrzeuge sind heute in Ulan Ude angekommen und fahren durch das Ziel auf diesem Platz. Super, wir schauen uns das Spektakel an und unterhalten uns natürlich prächtig mit den Fahrern über unsere Erlebnisse.

Ein deutsches Team von drei Männern

Ein holländisches Paar

Nun sind wir doch froh uns gegen die Fahrt durch die Mongolei entschieden zu haben. Die Fahrzeuge hier sind zwar alle durch die Mongolei gekommen, aber zum Teil waren es Höllenstrecken und sie konnten nur über weite Strecken 7 km/h fahren und die Autos mussten leiden.

Es war eine schöne Überraschung für uns, diese Menschen zu treffen.

Einige schicken ihre Fahrzeuge mit dem Zug zurück bis nach Estland und holen sie dort wieder ab, andere reisen aber auch wieder über Russland zurück.

Good luck!

Am nächsten Tag besuchen wir das Erhnographische Museum in Ulan Ude. Wir fahren mit dem Bus dorthin. Eine Fahrt kostet nur 20 Rubel pro Person egal wie weit man auf der Strecke fährt.

Das Museum liegt am Rande von Ulan Ude im Wald, die Fahrt geht durch ein schickes Häuserviertel. Auch einige Noble Restaurants in Riesenjurten stehen hier oben, ein Restaurant wird gerade für eine Hochzeit dekoriert.

Im Museum werden alte Gebäude gezeigt, die aus den verschiedenen Orten der Region, bzw. der unterschiedlichen Ethnien hier wieder aufgebaut worden sind. Es sind alte Sommer- und Winterhäuser der Burjaten sowie auch russische Stadthäuser der gutbetuchten.

Eine Kirche steht dort auch sowie ein Buddhistischer Dugan.

Unter anderem werden auch einige Hunnengräber gezeigt und Steine mit alten Felszeichnungen.

Auch zwei Tipis stehen am Berg, die man eher den Indianern zuschreiben würde.

So erkenne ich immer wieder viele Ähnlichkeiten der „Indianer“ und der „Asiaten“, bzw. hier der „Russen“.

Die räumliche Verbindung zwischen Alaska und Russland hat bereits der Kosake Semjon Iwanowitsch Deschnjow 1648 nachgewiesen, den er hat den Verbindungsweg, also die Meeresenge von Asien nach Amerika entdeckt, 80 Jahre vor Vitus Bering, bzw. 130 Jahre vor James Cook.

Am 31.08. haben wir dann das Lamakloster Ivolginsk besucht. Das Kloster wurde 1945 errichtet. Dies ist ein ganz besonderer Ort, weil hier der 12. Pandito-Hambo-Lama Dorzho Itigelov „lebt“.

Er war der geistliche Oberhaupt der burjatischen Buddhisten. Geboren wurde er 1852. Mit 16 Jahren begann er mit seinen Buddhistischen Studien und studierte Philosophie und Medizin. 1911, also mit 59 Jahren wurde er der 12. Pandito-Hambo-Lama. 1913 gründete er das 1. Europäische Buddhistische Kloster in Sankt Petersburg.

1926 forderte er alle Buddhisten auf das Land zu verlassen, weil die Rotarmisten kamen. Er selbst blieb vor Ort und sah sein Ende kommen. Er war 75 Jahre alt und fiel in eine tiefe Meditation und bat andere Mönche zuvor um eine Bestattungszeremonie. Er verfügte, das man ihn aufrecht sitzend bestattet und nach einiger Zeit exhumiert. So hat man ihn in einer Zedernholzkiste entsprechend seinem Testament beerdigt und 1955 sowie 1975 exhumiert. In 2002 hat man ihn nochmals exhumiert und bestätigt, das sein Körper völlig unversehrt ist und keine Verwesungserscheinungen zu sehen sind. Man spricht davon, das er sogar seine Augen und den Mund ab und zu bewegt. Dies ist natürlich, wir würden sagen „Ein Wunder“ und 8 Mal im Jahr wird sein Haus geöffnet und viele Pilger und Buddhisten berühren ihn und kommen ihn besuchen.

Der Dalai Lama war bereits auch schon 2 Mal vor Ort.

Wir sind also wie viele andere Besucher im Uhrzeigersinn um die Tempel gelaufen, haben die Gebetsmühlen gedreht und Süßigkeiten oder Münzen hingelegt, für unsere Lieben Wünsche ausgesprochen, Tücher aufgehängt, Souvenirs gekauft und uns die Tempelanlage angeschaut sowie die Atmosphäre genossen. Auch eine nette Person haben wir kennengelernt, die uns einiges interessantes über Land und Leute erzählt hat.

Das war wieder ein sehr interessanter Tag für uns und wir freuen uns schon auf die Weiterreise morgen früh, obwohl wir uns noch soviel in Ulan-Ude anschauen könnten.

01.09.2019Und die Landschaft hinter Ulan Ude ist ganz anders als die Taiga zuvor.

Nun sieht man wieder kahle Berge und einen Fluss und man möchte immerzu anhalten, um sich die Landschaft näher anzuschauen. Ich hatte mir vorgestellt, dass die sibirische Landschaft ausschließlich eine Taiga ist, aber weit gefehlt. Eigentlich auch klar bei solch einem großen Land.

Die Selenga schlängelt sich durch das Tal.

So macht es Freude weiter gen Osten zu fahren, jedoch gibt es immer wieder viele Baustellen und zum Teil auch wieder heftige Schlaglöcher.

Wir haben uns entschieden die nächsten Tage, weil auf den Strecken kaum größere Städte sind und wir dann auch keine Hotels finden, zu campen. Ich hatte mir eine Stelle an einem See auf der Strecke nach Cita ausgeguckt. Doch wir kommen nicht in dem Tempo weiter wie gewünscht und stellen zudem fest, das wir auf der Strecke wieder unsere Uhren um eine Stunde vorstellen müssen. Also biegen wir vor der geplanten Stelle in ein Waldstück ab, fahren ein Stück des Weges, kehren dann aber wieder um, weil wir keinen Platz zum Zelten finden. Zu unserem Unglück funktioniert auch unser Internet nicht mehr. Also schaue ich mir die Karte etwas genauer an und entdecke einen ganz kleinen See, der nicht weit weg sein kann. Wir finden die Einfahrt zum See und es ist der perfekte Campingplatz. Wir fragen die Männer auf der Wiese, die gerade vom Baden kommen, ob wir dort Zelten dürfen. Die helfen uns sogar beim Aufbau und erzählen uns, natürlich wieder mit Händen und Füßen, dass das Wasser ein Heilwasser ist und besonders der Schlamm Heilkräfte hat. Einer zeigt uns einen Eimer Matsch aus dem See und erklärt uns, wie wir uns damit einreiben und anwenden sollen. Wir schenken Ihnen ein paar Zigaretten und weg sind sie.

Nachdem wir das Zelt fertig aufgebaut haben und nach dem Abendessen gehen wir noch zum Strand und zum Wald.

Auf dem Weg dorthin finden wir auch die kleinen Plastikeimer mit Heilerde, die wohl die Dorfbewohner abfüllen und verkaufen.

Am Strand verweilt noch eine Familie aus Cita mit ihrem deutschen Dackel. Wir kommen ins Gespräch und auch Iwan erzählt uns, das dieser See ganz besonderes gutes Wasser hat. Aus ganz Sibirien und auch aus der Mongolei kommen die Leute zum Baden hierher.

Doch wir kaufen weder den Heilschlamm, noch bade ich morgens im See, weil es uns doch in der Nacht wieder viel zu kalt war. Für die kalten Nächte sind wir nicht gut ausgerüstet. Ich hätte mir besser die Kamelhaardecke oder Yakdecke in Ulan Ude gekauft. Aber trotzdem genießen wir die Stille und die schöne Atmosphäre am Morgen bei Sonnenschein am See, wärmen uns auf, frühstücken und bauen ganz in Ruhe das Zelt wieder ab.

Beim Einpacken ist unser 2. Kanister im Weg und ich gehe zum Fischer, der in seinem Boot sitzt. Gestern ist der Fischer an uns vorbeigekommen, mit einem bestimmt 60 cm langem Fisch, den er geangelt hat. Er unterhält sich mit einem Mann und ich frage ihn, ob er den Kanister haben möchte. Der Mann, der beim Fischer steht kann englisch und er übersetzt. Der Fischer nimmt den Kanister gerne. Der andere Mann begleitet mich zum Volvo. Er ist ein Arzt aus Cita und kommt zum Angeln und Relaxen zu diesem See. Ja, das Wasser sei sehr gut. Ich erzähle ihm, das wir eigentlich in Hotels übernachten und er zeigt auf die Häuser auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Das seien alles Hotels. Aber nirgendwo findet man ein Hinweisschild oder entdeckt diese im Internet. Das ist anscheinend nur etwas für Eingeweihte.

2.9.2019

Die Fahrt geht um 12:00 Uhr weiter, wir entscheiden uns für die Stadt Cita und ein Hotel. Ich muss unbedingt zu MTC um unsere SIM Karte prüfen zu lassen, weil wir keinen Zugang mehr zum Internet haben und wir dies auf der Strecke doch benötigen.

Die Straßen werden immer besser und die Landschaft ist sehr angenehm. So erscheint auch immer wieder parallel die Transsibirische Eisenbahn und Züge mit endlosen Güterwaggons rattern an uns vorbei.

Große Weiden mit freilaufenden Rindern

Schüler/Innen in Schuluniform

So erreichen wir Cita am Nachmittag und schauen uns das Zentrum an.

Hier ist das Militär präsent. Schon am Anfang der Stadt haben wir einen großen Truppenübungsplatz gesehen und große Panzer fuhren an uns vorbei.

In der Stadt gibt es an der Leninstrasse ein Gebäude, das wohl auch für militärische Zwecke und dessen Präsentationen genutzt wird. Im Innenhof stehen etliche Panzer und die Kinder spielen darauf. An einem Stand lagen Gewehre und Jugendliche und Kinder konnten zeigen, wie schnell sie die Waffe auseinander und wieder zusammengebaut bekommen. Die Aufsicht führten zwei ältere Mädchen und zwei ältere Jungen in roten Uniformen, die Mädchen hatten weiße Schleifen im Haar. Selbst kleine Jungs, ich schätze sie auf 7 Jahre, zerlegten die Waffe in Sekundenschnelle. Ich war verblüfft.

Leninplatz frei für Fußgänger und Veranstaltungen

3.9.2019

MTC haben unsere SIM Karten geprüft, sie waren nur 14 Tage aktiv geschaltet. Wir hatten zwar den Damen bei MTC beim Kauf der SIM das Geld für weitere 14 Tage gegeben, doch sie haben es nicht dafür eingesetzt oder es hat nicht funktioniert. Egal, so zahlen wir je Karte weitere 250 Rubel, ca 3,50 € und sind auch unterwegs wieder online. Ich kaufe noch ein und schon sind wir wieder on the road….

Und zwar fahren wir ab Chita die R297 bis nach Chabarowsk, 2165 km. Diese Strecke ist das letzte Teilstück der transkontinentalen Strecke von Moskau nach Vladivostok.

Bis zur Freigabe dieser Fernstraße konnte man Vladivostok sowie die anderen russischen Gebiete an der Pazifikküste nur mit der Transibirischen Eisenbahn oder dem Flugzeug erreichen.

Diese Straße wurde ab 1966 geplant und 1978 war der Baubeginn. Aufgrund der schwierigen Verhältnissen in der russischen Taiga wurden pro Jahr nur ca. 35 km der Strecke fertiggestellt. Im Jahr 2004 hat Putin die Strecke eingeweiht, da war sie aber noch nicht ganz fertig. In 2010 ist Putin dann mit einem gelben Lada einen Teil der Strecke selbst gefahren. Zu diesem Zeitpunkt mussten bereits schon wieder Stellen erneuert werden.

Und auch jetzt 9 Jahre sehen wir immer wieder neu asphaltierte Teilstrecken. Einige Straßenanschnitte und Brücken müssen erneuert werden. Die Straße schlägt Wellen und man sieht, wie abgenutzt teilweise diese Strecken sind.

Der Winter, der sumpfige Untergrund und die schweren LKWs hinterlassen einfach ihre Spuren.

Aber die Straße ist von allen russischen Strecken die wir gefahren sind die Beste und die Landschaft ist wieder einmal richtig schön.

Der Herbst kommt, die Farben ändern sich
Unser Picknickplatz
Landschaft mit Tapir
In Mogocha an den Gleisen. Öl wird umgefüllt?

Wir kommen super voran und fahren heute 580 km bis Mogocha, einer Kleinstadt direkt an der Transsibirischen Eisenbahn.

Dort gibt es ein kleines „Hotel“ mit Namen Turist. Sie haben ein Zimmer für uns und wir können die Küche benutzen.

Ich fange an zu kochen und Bodo macht noch was am Auto. Als ich noch etwas aus dem Volvo hole, sehe ich bestimmt 8 Männer um Bodo herum, die sich den Volvo anschauen, die Motorhaube steht natürlich auf, jeder will mal hinters Lenkrad und alle reden durcheinander.

Da bin ich lieber in der Küche ?

Ein Backpacker kommt an und zu mir in die Küche. Er heißt Mikhey und kommt aus Vladivostok. Er hat einige Zeit in Kasan gewohnt und geht, bzw. trampt nun wieder nach Vladiwostok. Ich lade ihn zum Essen ein und wir unterhalten uns prächtig. Er ist 28 Jahre alt und hat in Vladivistok in seiner eigenen kleinen Werkstatt Autos aufgemotzt. Dann hat er vor ein paar Monaten alles verkauft und will nun erst einmal reisen. Er zeigt uns ein paar Fotos der Autos, die er für seine Kunden umgebaut hat. Eins davon ist sicherlich interessant für Kolle, denn es ist das Modell von Kolle und Ulrike, jedoch auf einem anderen Fahrgestell. Ja ohne TÜV ist so manches einfacher.

04.09.2019

Heute sind wir also schon drei Monate unterwegs!

Die Nacht über hat es geregnet und es ist sehr neblig bei unserer Abfahrt. Direkt nach wenigen Kilometern sehen wir einen völlig zerknautschten LKW, der direkt in eine Baustelle vor eine Betonsperre gefahren ist. Die Polizisten sind noch am Unfallort, aber der Fahrer ist nicht mehr zu sehen. Obwohl wir nun schon so lange unterwegs sind, können wir die Unfälle, die wir gesehen haben fast noch an einer Hand abzählen. Das liegt vielleicht auch an dem geringen Verkehr. Aber wenn man trotzdem die extremen Straßenverhältnisse betrachtet, grenzt es doch fast an ein Wunder, das nicht mehr passiert. Heute ist die Straße sehr wellig. Einmal schaukelt sich der Volvo so auf, das ich denke wir setzen gleich auf. Es ist wie Karussell fahren. Man erkennt aber auch tatsächlich nicht an dem Strassenbelag, ob jetzt eine tiefe Welle, ein Loch kommt oder der Straßenbelag erneuert worden ist.

Wir haben heute wieder eine lange Strecke vor uns und wollen ca. 500 km fahren. Aber nach den 500 km finden wir keine Unterkunft und entscheiden uns weiterzufahren. Die Sonne kommt raus, die Straße ist extrem gut und wir schaffen weitere 250 Kilometer im rasanten Tempo.

So knacken wir sogar die 20.000 km und sind sehr zufrieden, zumal wir in Schimanowsk eine gute Unterkunft finden, mit Namen Таежная. Ich hatte dieses Hotel noch im Netz gefunden, aber zwei Männer hatten uns am Stadteingang abgefangen und uns tatsächlich auch dorthin begleitet.

Das Grand Café schliesst sich dem Hotel an und dort bekommen wir auch noch leckeren Fisch und zum Anstoßen auf den besonderen Tag müssen wir uns eine Flasche Wein aus dem gegenüberliegenden Magazin holen. Im Grand Café gibt es nur Bier und Vodka.

So genießen wir unseren Abend und morgen geht es an die chinesische Grenze, immer den Fluss entlang.

05.09.2019

Wir sind wie immer um 9:00 fertig zur Abreise. Weil es heute nicht so eine lange Strecke ist, wählen wir die Nebenstrecke aus, die parallel der Zeja entlangführt. Die Zeja fließt in den Fluss Amur, der Grenzfluss von Russland und China.

Wir fahren wieder durch Wälder und Dörfer, den Fluss sehen wir nur ab und zu. Immer wieder erhoffen wir uns eine ähnliche Struktur wie bei uns in Deutschland, wo man gerne am Fluss im Café oder Restaurant sitzt oder wenigstens einen Aussichtspunkt aufsuchen kann, aber darauf warten wir vergebens.

Aber wir kommen an einer Polizeikontrolle vorbei, die sich wohl langweilt und uns erst einmal anhält. Das ist die 2. Kontrolle auf der weiten Strecke in Russland. Sie fragen nach den Papieren, wollen sich aber eigentlich nur mit uns unterhalten. Das Auto interessiert sie und sie wünschen uns eine gute Fahrt.

In der Stadt Svobotnyy halten wir an und ich wechsle Geld in einer Bank. Da ich warten muss, informiere ich mich bei Wikipedia über die Stadt.

In den 1930 er Jahren war diese Stadt Stützpunkt der Baikal-Amur Magistrale und wurde zur Hauptstadt des größten Straflagers der Gulag.

Und es gab hier 20 Kilometer entfernt den Raketenstartplatz. (Kosmodrom Svobotny) Getarnt waren die 100 Raketensilos als Kohlebergwerk. Auch jetzt sehen wir auf der Fahrt noch viele Militärstützpunkte und Übungsplätze.

Wir erreichen die Stadt Blagovescensk und unser Hotel Asia. Bodo schaut sich die Tiefgarage an und bespricht mit den jungen Männern dort unten die eine Waschstation betreiben die Autowäsche für unseren Volvo.

Die Autowäsche dauert 1 Stunde und wir schauen uns ein bisschen die Stadt an.

Interessant und schön ist das alte Kaufhaus, eine Dependance aus Vladivostok der Deutschen Partner Kunst & Albers, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts.

Früher brachten Kamele die Waren…

Es gibt hier auch einen Triumphbogen, der extra gebaut wurde für den Zarenbesuch.

Und es wird auch ein militärisches Schnellboot präsentiert als Denkmal für die Kriegshelden der Roten Armee.

Danach gehen wir zur Promenade und schauen in Richtung China ??.

Wir sehen ein Riesenrad, Wolkenkratzer und noch andere schönere Gebäude. China präsentiert sich hier von seiner besten Seite. Auf dem Amur patrouillieren auf jeder Seite je ein Schiff aus Russland und aus China. Es ist eine merkwürdige Atmosphäre wie immer, wenn ein Fluss zwei Staaten trennt. Es gibt aber anscheinend einen kleinen Grenzverkehr, die Chinesen kommen wohl hauptsächlich nach Russland zum Glücksspiel.

So sind wir auch China etwas näher gekommen.

6.09.2019

Von Blagoveshchensk starten wir leider erst um 10:45 weil wir auf unsere Registrierungszettel warten mussten.

Die Straßen sind gut und wir kommen trotz der Zeitverzögerung durch die Registrierung gut voran. Es fällt uns auf, das an jeder Einfahrt einer Straße ein „privates“ Auto steht, jedoch immer ein Polizist in Uniform darin sitzt. Was die wohl kontrollieren?

Wir müssen heute auch wieder fast 600 km fahren, bis wir die Stadt Birobidshan erreichen. Birobidshan ist die Hauptstadt des Jüdischen Autonomiegebiets.

Die Landschaft ist genauso wie zuvor, mal bergig, dann kommen wieder sehr große Waldgebiete, ab und zu kommen freie Flächen mit Weidefläche oder auch Moorgebiete. In dieser Landschaft und im ruhigem Tempo von 90 bis 100 km/h kann man seinen Gedanken einfach so nachgehen.

Die P297 wird gerade neu „fotografiert“, das Auto begleitet uns bis zu unserem Hotel!
Das „Google“ Auto hinter uns vor dem Bahnübergang.

Schaut Euch diese Windschutzscheibe an, kein Glyphosat, voller Insekten!

Sicherheit am Bahnübergang

Und dann zwischendurch auf halber Strecke:

„Halt, da winkt doch einer“, tatsächlich Mikhey steht an der Straße, nun treffen wir ihn zum Dritten Mal. Er scheint im gleichen Tempo unterwegs zu sein wie wir.

Bodo bremst und wir bieten ihm Tee und unsere restlichen Lebensmittel vom Picknick zuvor an. Mikhey hat nun bereits eine Stunde hier gewartet und keiner hat ihn mitgenommen. Er zeigt uns auf der Karte den Weg, den er genommen hat und erzählt uns, das die Polizisten auf den Nebenstraßen vor dem Verzehr von Schweinefleisch gewarnt haben und man dort kein Schweinefleisch einführen darf wegen der Afrikanischen Schweinepest. Nun verstehen wir auch, warum uns die Polizisten bei der 2. Kontrolle einen Tag zuvor nach Schweinefleisch gefragt haben. Das hatten wir überhaupt nicht verstanden???

Dann erzählt er uns noch, das sich heute Putin die neueste Rakete ? hier in der Region anschaut und nun verstehen wir auch die extreme Polizeipräsens.

Wir unterhalten uns noch eine Weile, versuchen dann gemeinsam ein Auto anzuhalten, was bei unserem 2.Treffen auf der Straße gut geklappt hat, fahren dann aber doch weiter, weil es schon spät ist.

Aber zwei Minuten später überholt uns ein weißer Sprinter und Mikhey winkt uns vom Beifahrersitz aus zu. Glück ? gehabt!

Und wir kommen in Birobidshan an, finden das Hotel Bira sofort, bemerken jedoch beim Einchecken, das wir unsere Uhr schon wieder um eine Stunde vorstellen müssen. Ich hatte mich schon gewundert, warum es plötzlich so früh dunkel geworden ist.

Aber in Deutschland ist es erst 12:00 Uhr und wir besprechen noch ein paar Dinge mit Tine & Kerstin via FaceTime. Dann ist aber Schluss, denn die Bedienung im Restaurant wartet auf unsere Bestellung.

Und wir freuen uns auf unser Abendessen.

Wir sind gespannt, wie sich die Stadt uns bei Tageslicht präsentiert.

07.09.2019

Birobidzhan unterscheidet sich nicht groß von den anderen sibirischen Kleinstädten. Wir schauen uns den Bahnhof an, davor steht ein Denkmal mit einem Bauern und seiner Frau auf der Pferdekutsche, es soll an die neuen Siedler erinnern. Dann gehen wir durch die Stadt zur neuen Synagoge, laufen an der Schule vorbei, wo die Kinder in ihren Schuluniformen herauskommen und besuchen das kleine Heimatmuseum, in dem Vier alte Damen ihren Dienst ausüben und jede von Ihnen für einen Raum zuständig ist. Dort wird das Leben der ersten Siedler beschrieben, aber auch der Krieg sowie das Leben in den 50 er Jahren und danach. Zudem zeigen sie die Rohstoffe die dort gefunden werden, sowie auch ausgestopfte Tiere, damit man sich ein Bild über die Fauna der Region machen kann.

Der Bahnhof

Siedler-Skulptur
Neue Synagoge

Heute leben nicht mehr als 8 % Juden im jüdischen autonomen Gebiet, die meisten sind bereits in den 80 er Jahren nach Israel ausgewandert.

Auch wir reisen weiter, am Ortseingang gibt es noch einmal ein schönes zweisprachiges Portal.

Der Weg nach Chabarowsk ist nicht weit und immer wieder begleitet uns die Transsibirische Eisenbahn, hier auch einmal ein Personenzug.

Die Wiesen sind sehr feucht und als wir in Chabarowsk ankommen sehen wir viele überschwemmte Wiesen. Der Amur ist riesig.

Ich habe dieses Mal ein Hotel für 2 Nächte

gebucht und zwar heißt es Park Hotel. Wir haben eine Maisonette und können uns das Frühstück selbst zubereiten.

Aber wir finden den Eingang zum Parkinneren nicht. An dem Theatergebäude kommt man nicht vorbei und an dem anderen Tor schließt sich direkt ein Freizeitpark an. Das Telefonat mit dem Hotel bringt uns nicht weiter, sie spricht kein Englisch. Als wir es doch noch einmal beim Theater versuchen blockieren wir den Verkehr, denn es ist eine Sackgasse und wir sind nicht die einzigen, die hier hineingefahren sind. Ich spreche den Fahrer des Autos an, was auch rückwärts rausfahren will und drücke ihm mein Handy ans Ohr, er soll mit dem Hotel sprechen. Es dauert etwas, dann nimmt noch einmal seine Frau das Telefon und spricht mit dem Hotel. Die beiden sind furchtbar nett und wollen uns den Weg zeigen. Die Frau will mit bei uns einsteigen, sieht aber dann, das wir nur 2 Sitze haben. So steigt sie bei Bodo ein und ich bei Ihrem Mann. Wir fahren ein Stück rückwärts raus, dann steigt mein Fahrer aber noch einmal aus und hilft einer Frau, die alleine ihren Wagen nicht rückwärts herausfahren mag oder kann. Da habe ich mir wieder genau den richtigen Gentleman ausgeguckt. Er ist Strafverteidiger, wie er mir im Auto erzählt.

Wir fahren einmal um den Park herum und auf der gegenüberliegenden Seite des Parks ist eine Schranke mit einem Pförtner, der uns reinlässt. Ich bedanke mich bei meinem Helfer und bei Olga, seiner wirklich sehr netten Frau für deren Hilfe.

Wir fahren durch den Park und kommen zum Hotel. Die Frau von der Rezeption, mit der ich so lange vergeblich telefoniert habe, öffnet uns die Tür und wir sind beide glücklich, das wir den Weg gefunden haben. Hier hat die Internetübersetzung gar nicht funktioniert.

Es gibt nur 5 Zimmer, wir checken ein und machen uns dann sofort auf zu einem Pavillon an einem See, an dem wir vorbeigefahren sind und genießen noch ein wenig die Sonne, denn morgen soll es regnen. Etsuko hat uns auch noch gewarnt, ein Taifun kommt auf Japan zu und vermutlich auch die Ausläufer an die russische Küste.

08.09.2019

Die ganze Nacht hat es geregnet und wir schlafen lange. Ab 12:00 Uhr soll es aufhören zu regnen. So lassen wir es ruhig angehen und frühstücken in Ruhe.

Dann machen wir uns auf den Weg mit einem Taxi in die Stadt zum Amur. Wir besichtigen erst einmal die Kirche und stecken ein paar Kerzen an.

Dann gehen wir an die Promenade, der Fluss ist riesig. Zum Teil ist der Amur über die Ufer geschwappt,Sandsäcke liegen noch zum Schutz vor Ort. Es ist schön auch bei diesem Wetter spazieren zu gehen.

Die Häuser sind zum Teil recht sehenswert.

Als es wieder anfängt zu regnen, besuchen wir ein Souvenir Geschäft und weil es immer heftiger regnet, suchen wir die Pizzeria von Nebenan auf, die uns schon gestern aufgefallen ist. Das Personal läuft verkleidet rum, die Männer als „Bajazzo“ und die Frauen im Folklorekleidern mit Zöpfen und Blumenkranz im Haar.

Sie veranstalteten einen Riesen Zirkus mit den Gästen und das Konzept scheint sich zu bewähren. Auch heute ist das Lokal wieder gut besetzt. Wenn man etwas haben möchte, ruft man Mama Mia und sie kommen sofort. Aber eigentlich sind sie immer da und singen und tanzen und machen ihre Späße. Die Pizza ist auch super, im Steinofen frischgebacken.

Am 9.9.2019 fahren wir froh los. Um 8:30 sind wir schon auf der Straße.

Vladiwostok ist unser Ziel.

Hier endet die Transsibirische Eisenbahn und somit auch unsere Fahrt in den Osten

Der Tapir Volvo ist ein toller Langstreckenläufer, seine ganze Energie hat er sich für den Endspurt aufbewahrt. Er fährt ohne zu murren 780 Kilometer. Auch Bodo ist in Topform, auch er möchte keine Zwischenübernachtung einlegen.

Wir riechen förmlich das Ziel, der Pazifik blitzt auf.

Auch der Tapir, unser liebes Maskottchen freut sich, wir fahren über die erste große Brücke. Bald sind wir in Vladiwostok.

Wir erreichen das Hotel Gavan um 19:30 Uhr. Wir umarmen uns und sind suuper glücklich ?????

11.09.2019

Nun heißt es für uns Abschied nehmen von unserem Volvo. Gestern haben wir alles umgepackt und sortiert, der kleine Tapir steht bei uns im Hotelzimmer und wundert sich!

Am Nachmittag ruft Yuri an, der Container kann beladen werden. Es ist für uns ein sehr komisches Gefühl, wir haben uns so an den Tapirvolvo gewöhnt und nun geht er allein anderthalb Monate auf Reise. Aber er hat Begleitung, ein französisches Motorrad. Bon Voyage und Auf Wiedersehen ?

See you again in Rotterdam????

Kasachstan vom 9.08.2019 – 17.08.2019

9.8.2019

Der Tag der Straßen

Schotterstraßen
Teerstrassen aber immer noch heißt es „Obacht“, das ein oder andere Loch ist tief.

Die beste Autobahn der Reise, ich schlafe sofort ein!

Im Hotel Astana in Almaty angekommen öffnen wir die Heckklappe um den Koffer rauszunehmen und sehen nur noch Staub. Das ganze Auto ist vollgestaubt. Gut das hinter dem Hotel sofort ein Wagenreiniger seine Werkstatt hat. Der wird uns den Volvo morgen sicherlich vom Schotterstaub befreien. Das Zimmer ist ok, ich sortiere unser Gepäck, wir duschen und ich finde ein schönes Restaurant mit Namen Veranda. Das Essen ist sehr gut, wir sitzen oben auf der Veranda auf bequemen Sesseln und genießen die angenehme Atmosphäre unter Bäumen.

So zeigt sich uns Almaty von seiner guten Seite.

10.08.2019

Almaty ist tatsächlich eine sehr angenehme ruhige, sortierte und strukturierte Stadt. Sie ist „grün“, hat also viele Alleen und Parks. Der öffentliche Nahverkehr funktioniert anscheinend gut, man sieht kaum Taxis. Es fahren Oberlinienbusse und andere Busse, sowie eine Metro mit nur einer Linie, also auch übersichtlich. Die Fahrt kostet ca. 0,20 € mit der Metro. In der Stadt gibt es Fahrradwege und man kann Fahrräder ausleihen. Viele bewegen sich auch mit E-Rollern o.ä. Gefährten. Natürlich fahren sie auch mit Autos herum, meist sogar mit etwas größeren Modellen, z. B. der Marke Toyota Lexus SUV. Wie die Bevölkerung Ihr Geld verdient hat sich uns noch nicht erschlossen, aber es scheint Ihnen ganz gut zu gehen.

Ab und zu sieht man zwar auch Bettler, wie z.B. alte Mütterchen oder Kranke im Rollstuhl, aber es hält sich in Grenzen.

Alles ist irgendwie entspannt. Die Leute sind in keiner Weise hektisch, für mich ungewöhnlich für eine Großstadt mit ca. 1,8 Millionen Einwohnern.

Und Almaty ist eine Stadt des Sports. Hier gibt es Eishallen, wohl sehr gute Hockeyspieler sowie riesige Stadien. Sehr viele Leute sind in Sportkleidung unterwegs.

So sind wir dann also mit der Metro unterwegs gewesen und haben uns ein paar Plätze in Almaty angeschaut. Den Panfilov Park mit der Christi Himmelfahrt Kathedrale, erbaut 1904-1907.

Die Kathedrale ist das Zweitgrößte hölzerne Bauwerk der Welt

Christ Himmelfahrtskirche
Museum für Volksmusikinstrumente, erbaut in 1908

Sowie das ewige Licht, umgeben von riesigen Monumenten zum Gedenken an den Kriegshelden Major Panfilow.

Danach sind wir mit der Seilbahn auf den Berg Kok Tobe gefahren, auf dem ein hoher Fernseturm steht. Leider konnte man den Fernsehturm nicht besteigen, aber wir hatten eine schöne Sicht auf die Stadt Almaty.

Nach einem entspannten Abendessen in der Stadt sind wir dann mit der Metro ins Hotel zurückgefahren. Die Rolltreppen so „mächtig gewaltig“!

So sind wir dann insgesamt drei Nächte in Almaty geblieben. Nach einer längeren Fahrzeit brauchen wir einfach wieder etwas Pause zur Besinnung. Der Tapir Volvo will auch gepflegt werden und das braucht alles seine Zeit.

Wir haben uns nun überlegt unsere Route zu ändern. Wir fahren nicht durch das Altai-Gebirge in die Mongolei, sondern über Astana direkt nach Russland und dann die Transsibirische Eisenbahnstrecke bis zum Balkeisee und wenn wir dann noch Zeit haben, machen wir von Ulan-Ude den Abstecher in die Mongolei nach Ulan-Bator. Dem Volvo wollen wir die Strapazen der unbefestigten Straßen nicht antun und auch für uns sind diese Strecken dann auch arg anstrengend.

12.08.2019

Wir fahren die Strecke nach Astana, nun heißt die Hauptstadt ja seit kurzem Nur-Sultan. Es ist eine lange Strecke und wir versuchen ca. 500 km am Tag zu fahren. Die Straße ist aber in einen dermaßen schlechtem Zustand, das wir für die 500 Kilometer bis zum Balakash See über 10 Stunden brauchen. Sichtlich ermüdet kommen wir bei der Unterkunft an, dem Prio Hotel. Dies Hotel ist in einem normalen Wohnblock untergebracht. Es werden wohl dort im Haus einige Zimmer vermietet. An der Rezeption sitzt eine nette, bunt geschminkte und gekleidete Frau, die uns die Schlüssel gibt und uns das Zimmer zeigt. „Hübsch“, genauso habe ich mir immer die russischen Wohnungseinrichtungen vorgestellt. Diese hier ist in Lila gehalten. Das Bett, die Stühle, der Tisch und die Küche. Auf dem Bett liegt ein weißes Teddyfell.

Alles ist jedoch sauber und aufgeräumt.

Wir nehmen das Zimmer, es gibt zwar kein Frühstück, aber wir haben noch ein paar Kleinigkeiten für Morgen früh dabei und Tee können wir uns in jedem Fall kochen.

Im Treppenhaus begegnen wir einigen Mietern, die Menschen hier sind eher zurückhaltender, aber sehr freundlich und interessiert, wenn man ins Gespräch kommt. Die jungen Leute sprechen auch englisch und übersetzen gerne wo es nötig ist.

Wir gehen noch zum See, der von 7 Bächen gespeist wird. Auch dieser Gebirgssee ist sehr groß und wirkt eher wie ein Meer. Die Wellen schlagen ans Ufer und wir machen ein kleines Picknick. Schön, der Mond ist bereits da und wir genießen den Abend.

Dann wird es Zeit in unser kleines Apartment zu gehen, morgen früh geht es weiter.

13.08.2019

Heute wollen wir bis nach Karaghandy fahren, es liegt 260 km vor Nur-Sultan. Diese Stadt wurde 1931 erbaut und zwar gab und gibt es hier große Kohlevorkommen. Heute leben hier immer noch ca. 500.000 Einwohner. Es ist die viertgrößte Stadt in Kasachstan.

Bei der Fahrt durch Kasachstan beschäftigen uns weiterhin die Straßen.

Wir sind nun ab Almaty 1000 Kilometer gefahren und haben das Gefühl, als sei alles nur eine einzige Baustelle.

Nun ist die Landschaft in Kasachstan nicht sehr spektakulär. Das Land ist eine riesige einsame Steppe. Ab und zu sieht man eine Kamelherde, Pferde oder Schafe, bzw. Ziegen. Landarbeiter, Schafhirten oder auch Straßenhändler sind rar.

Kann es sein, dass die Regierung aufgrund der eintönigen Landschaft für Abwechslung im Straßenverkehr sorgt und die Reisenden mit den vielen Baumaschinen und Baustellen ? ablenken möchte?

Unzählige Baumaschinen wuseln am Straßenrand um uns herum.

Unzählige Tonnen Erde werden aus den angrenzenden Feldern ausgehoben, auf LKWS geladen, die diese dann an den Straßenrand kippen. Rote Erde, graue Erde, schwarze Erde oder auch Sand.

Scheinbar unkontrolliert wird an der einen Seite der Straße eine neue Straße angelegt und dann wieder auf der anderen Seite. Die alte Straße ist manchmal komplett beseitigt worden, so dass wir auf Schotterstraßen seitlich davon weiterfahren müssen. Auch fahren wir an verwaisten Teilabstücken vorbei, die dem Verwitterungszustand entsprechend, vor längerer Zeit einmal angelegt worden sind.

Immer wieder stehen Vermesser an der Straße oder an den neuen Teilabschnitten und vermessen die Landschaft. Ich frage mich, wann diese Teilstücke jemals verbunden werden und wie?

Und wenn diese Straße tatsächlich einmal komplett schön ist und die Fahrzeuge nur noch so auf Ihr dahingleiten, möchte ich gerne wissen, ob die Anzahl der Unfälle steigt, weil die Fahrer vor Langeweile einfach einschlafen?

Für uns jedoch sind die Baustellen interessant und ein schöner Zeitvertreib.

Ab und zu kommt ein Güterzug vorbei oder wir fahren an Häusern vorbei, die auch im wilden Westen stehen könnten.

In jedem Fall ist dies wieder ein weiterer interessanter Abschnitt unserer Reise.

Die ganze Zeit überlege ich, was wir wohl in Kasachstan einkaufen können? Wir können doch keine Kohle mitbringen, oder?

14.08.2019

Wir haben sehr gut im Park Hotel in Karaghandy übernachtet.

Weil wir bis Nur-Sultan nur 265 km Fahrstrecke haben, lassen wir es am Morgen ruhig angehen. Nach dem Frühstück fahren wir um 11:30 Uhr los. Und als wir auf der M-36 sind, erwartet uns eine tadellose Fahrbahn.

Der Wachdienst hat dem Tapir einen Glücksanhänger geschenkt, das traditionelle Musikinstrument ?

Riesiges Stahlwerk

Der Tapir Volvo gleitet nur so auf dieser neuen Straße dahin und nun weiß ich, wie die Straße auf der Strecke davor einmal aussehen soll. Doch bis dahin müssen noch viele LKWs, Bagger und Raupen sowie Walzen hin- und herfahren.

Kurz vor 14:00 Uhr kommen wir im King Hotel in Nur-Sultan an. Der Volvo kann sicher auf dem Parkplatz stehen und unser Zimmer ist gut. Bodo fährt zum Ölwechsel, denn wir sind nun fast 14000 km gefahren und unser Schätzchen braucht eigentlich alle 10000 km neues Öl. Ich plane derweil die weiteren Stationen unserer Reise. Übermorgen geht es über die Grenze nach Russland.

Die freundliche junge Frau an der Rezeption hatte Bodo die Adresse der Werkstatt für den Ölwechsel genannt, es ist nur bei uns im Hotel um die Ecke.

Als Bodo dort ankommt hält ein gut restaurierter 3 er BMW mit Baujahr 1983 mit zwei jungen Männern an, die Bodo den Tapir Volvo auf ihrem Mobiltelefon zeigen. Gerade hat Ihnen ein Freund das Foto von uns geschickt mit der Nachricht: „Habe soeben ein tolles Auto in der Stadt gesehen“. Wie der Zufall so will, gehört Ihnen die Werkstatt und sie nehmen Bodo in Schlepptau zu ihrer Dependence. Dort kann der Ölwechsel sofort gemacht werden. Und dort gibt es auch genau das Öl aus Deutschland mit Namen ? Fuchs, das auch unsere Volvowerkstatt benutzt hat. Hier allerdings zum Superpreis! Bodo ist glücklich. Schnell werden noch beide Autos vor die Werkstatt gestellt und Fotos gemacht.

Das könnte der 1. Tapir Wagenpfleger in Kasachstan werden. Leider haben wir aber auch zum 1. Mal einen Oldtimer in Kasachstan gesehen, einmal die LKWs ausgenommen.

15.8.2019

Heute haben wir uns die Stadt Nur-Sultan angeschaut. Erst einmal von oben und zwar vom Bejterek Turm aus. Dort kann man mit dem Lift hochfahren und zum Regierungspalast schauen sowie auch auf die Khan Shatyr Mall, dem größten Zelt der Welt. Der Bejterek Tower ist einem Lebensbaum nachempfunden und Wahrzeichen der Stadt Nur-Sultan. Einer Sage nach legte der Vogel Samruk ein Ei in die Krone. Dies hat der Architekt mit dieser von außen golden erscheinenden Kugel symbolisiert. In der Kugel oben auf der Plattform liegt auf einem Sockel ein goldener Handabdruck des bis März diesen Jahres regierenden Präsidenten Nursultan Nasarbajew. Jeder Kasache legt mit tiefer Ehrfurcht seine Hand in die Hand des Präsidenten. Auch die Kinder werden dabei fleißig fotografiert. So soll vermutlich die Kraft des Präsidenten auf die Menschen übertragen werden.

Danach bummeln wir durch die Promenade zu dem größten Zelt der Welt, dem Khan Shatyr.

Der englische Architekt Norman Forster hat dieses Zelt entworfen. Es hat eine Grundfläche von 100000 m2, ist also größer als 10 Fußballfelder und 150 m hoch.

Innen befinden sich zahlreiche Geschäfte, Restaurants und on Top ein Spa(ß)Bad von 6000 m2 Fläche mit Rutsche sowie eine Kinderbelustigungsfläche mit Dinopark und Autoscooter und diversen Kirmes Attraktionen. Ein Halli Galli, das es schon fast weh tut.

Ständig dudelt Musik aus dem Lautsprechern in Endlosschleife. Das ist nichts für uns und wir fahren an den Fluss und machen eine kleine Schifffahrt.

Später schauen wir uns dann noch die Stadt bei Nacht an und das ist auch sehr schön. Nur-Sultan ist mit seinen Gebäuden und den Angeboten wirklich eine Reise Wert und wir sind froh, das wir uns für diese Route entschlossen haben. So konnten wir uns ein noch besseres Bild von dem riesigen Land Kasachstan machen.

16.08.2019

Weiterfahrt nach Petropawlow, dies wird unsere letzte Übernachtung in Kasachstan sein. Wir planen eine Pause in dem Naturschutzgebiet Burabay ein, das auf halber Strecke liegt. Es soll die Perle Kasachstan sein, die Kasachische Schweiz.

Der Umweg beträgt ca. 30 Kilometer und die nehmen wir gerne in Kauf. Die Landschaft dort ist nach der langen Steppe richtig erholsam. Wir sehen Kiefern und Fichten, sowie viele Birken und zwischendrin liegen schöne Seen. Die Landschaft erinnert uns an eine Mischung aus der Lüneburger Heide und dem Solling, bzw. Harz. In der Stadt Barabay bieten die Händler frisches Brot und Teilchen, sowie Fisch und ähnliches an. So hatte ich mir das gewünscht. Bodo hält an und parkt das Auto und ich gehe zurück zu den Ständen. Und dort an Fischstand werden doch tatsächlich frisch gekochte Flusskrebse angeboten und da kann ich nicht widerstehen, Bodo wird sich freuen. Ich kaufe einen kleinen Eimer voll Krebse und Brot. Tee haben wir noch in der Thermoskanne. Die Freude Bodos ist groß, jetzt heißt es nur noch ein schönes Plätzchen finden, denn der Trubel in der Stadt gleicht einem Jahrmarkt. Wir fahren weiter bis zu einer Schranke. Beim Schlagbaum müssen wir pro Person 285 Tenge bezahlen und wir dürfen weiterfahren. Wir finden einen Parkplatz und eine Picknick Hütte am See. Herrlich…

….der Umweg hat sich gelohnt und wir schnuppern zudem frischen Kiefernduft? eine Wohltat.

Gut gestärkt meistern wir die nächsten 259 km locker, die Straßen sind super und wir erreichen Petropawlaw schnell.

Dort im Hotel angekommen nutzen wir noch die Gelegenheit und besuchen das Schwimmbad. In zwei Becken wird geschwommen und es gibt zwei Saunen.

Im größeren Becken wird nach sehr lauter Musik Wassergymnastik angeboten und das kleine Becken ist uns zu kalt. Zwei Männer kommen aus der Sauna und so entscheiden wir uns erst einmal für die Sauna. Hier behalten alle die Badekleidung an. Das tut uns auch gut und danach sitzen wir noch eine Weile im Jacuzzi und lassen unseren Rücken von den Düsen massieren.

So entspannt gehen wir ins Restaurant. Am Nebentisch sitzt ein Ehepaar. Als ich am Tresen die Getränke bestelle, höre ich wie Bodo die beiden anspricht und etwas vom Volvo faselt. Und tatsächlich, das Ehepaar Karin und Wilfried sind aus Deutschland hierher gefahren und zwar mit einem Volvo XC 90, der jüngere Bruder des Tapir Volvos. Bodo ist beim Parken der Volvo mit deutschem Nummernschild natürlich sofort aufgefallen. So sitzen wir am Abend lange zusammen und erzählen uns unsere Reisegeschichten. Karin und Wilfried sind aus Turgau und den weiten Weg über Estland nach Russland gefahren. Sie kommen gerade aus Omsk, wohin wir morgen aufbrechen wollen. Und sie fahren morgen über die Ukraine wieder zurück nach Deutschland. Das war ein interessanter Abend. Später kam noch ein weiterer Gast hinzu, der in Kasachstan geboren und aufgewachsen ist, aber seit 24 Jahren in der Nähe von Stuttgart wohnt. Er hat seit langer Zeit nun einmal wieder seine Heimat besucht und alte Klassenkameraden getroffen.

Am nächsten Morgen ist natürlich ein Gruppenbild mit Volvos fällig und wir wünschen uns gegenseitig eine gute Weiterreise.

17.08.2019

Und so verlassen wir Kasachstan und fahren über die Grenze nach Russland. Der Grenzübergang ist einfach, aber dennoch dauert es 2,5 Std.

Jetzt sind wir in Omsk im Hotel Kamelot und haben ein schönes Zimmer mit Flussblick.

Dieses Mal konnten wir beim Grenzübergang kein Geld wechseln und waren auch darauf nicht vorbereitet. Es ist Wochenende, aber die Dame an der Rezeption erklärt mir, dass die Banken zwar geschlossen sind, wir aber alles, auch das Benzin mit Karte bezahlen können. Nun ja, dann hoffen wir das mal. Hier stellen wir doch fest, das wir mit Englisch nicht weit kommen. Nun ist Pantomime gefragt. Wir sind gespannt wie es weitergeht!

Am Yssykköl in Bokonbayevo

Guest House Emily, heute schlafen wir in der Jurte. Die große Jurte ist die Küche/Speise- Gemeinschaftsjurte. Heute Abend gibt es laut der Gastgeberin Yak Fleisch mit Kartoffeln, ein traditionelles Kirgisisches Gericht. Wir sitzen jetzt in der Jurte, trinken Tee und ruhen uns aus. Dann geht es gleich zum See, ich will nun endlich einmal schwimmen ?‍♀️, mit den Füßen waren wir schon im See, das ist sehr erfrischend.
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Kirgisistan vom 01.08.2019 – 8.08.2019

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Wir kommen an die Kirgisische Grenze, müssen unsere Pässe vorzeigen und abstempeln lassen. Dann ist das Fahrzeug dran, wir bekommen die Genehmigung das Fahrzeug 3 Monate im Eurasischen Raum fahren zu dürfen. Dann wird das Auto noch kontrolliert, wir müssen die Koffer und Taschen kurz zeigen und dann sind wir in Kirgisistan. Was ein Unterschied zu Usbekistan, immer wieder stellen wir auf dieser Reise fest, das mit dem Grenzübergang sich auch die Landschaft komplett ändert. In Kirgisistan gibt es plötzlich wieder eine “Landschaft” mit Bäumen, Bergen und Dörfer. Es ist unbeschreiblich und wir wissen sofort, das wir uns hier wohlfühlen werden.

Wir wollen in Richtung Pamirgebirge fahren und nicht in Osh der Grenzstadt übernachten. In Usbekistan haben wir bereits auf dem Markt das nötigste eingekauft, um uns selbst versorgen zu können. Paprikas, frische Kräuter, Nudeln, Tomatensoße, Kuchen, Melone, Wasser, Süßigkeiten für die Kinder und auch Vodka, denn das Usbekische Geld musste ausgegeben werden und wer weiß wen man noch auf der Route begegnet.

Ich habe gelesen, das man in Kirgisistan oftmals als Autofahrer von zum Teil falschen Polizisten angehalten wird, die Geld verlangen. Dieser Aufforderung sollte man auf keinen Fall nachkommen und die deutsche Botschaft anrufen. Kaum habe ich dies Bodo erzählt, hält uns eine Polizeistreife an. Er nimmt den Kfz Schein sowie den Führerschein und Bodo mit. Ich warte im Auto.

Nach einiger Zeit kommt Bodo zurück und erzählt mir, dass die Polizisten 100 $ von ihm haben wollten, er sei 65 km/h gefahren und darf nur 50 km/h fahren.

Gut das wir darüber gesprochen hatten, denn Bodo war sich erstens sicher, dass er nicht schnell gefahren ist und dann hat er ganz souverän den Polizisten 10$ angeboten aber darauf hingewiesen, das er die an den Uniformen angebrachten Namen der Polizisten aufschreibt und der deutschen Botschaft meldet. Da ließen sie ihn ziehen. ?

Durch diesen Zwischenstopp und auch der späten Abfahrt in Usbekistan entscheiden wir uns doch noch einmal für eine Übernachtung in einem Guesthouse. Wir fahren bis Gülchö. Dort finden wir eine Bleibe. Unser Zimmer besteht aus 2 Einzelbetten und alles ist recht einfach eingerichtet. Für alle Gäste gibt es ein Badezimmer, die Klobrille ist kaputt. Aber dafür können wir die Küche nutzen.

Ok, es ist dunkel und wir bleiben. Ich koche in der Küche ohne fließendes Wasser, Wasser schöpfe ich aus Eimern. Aber es gibt 2 Elektroplatten, auf denen ich Nudeln mit Tomatensauce koche. Lange nicht gehabt!

Zu uns gesellen sich drei Kirgisen.

Sie arbeiten bei einer Bank, einer kommt aus Osh, der andere aus Bishkek und der dritte wohnt am Rande vom 7134 m hohem Pik Lenin. Sie sind insgesamt 6 Monate hier und immer am Wochenende fahren sie zu ihrer Familie. Dies stellen wir uns schrecklich vor, aber für sie ist es Alltag. Wir kommunizieren mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms, das zum Teil allerdings witzig übersetzt. Aber egal, so können wir uns wenigsten verständigen.

Wir holen die Flasche Vodka und trinken auf die Gesundheit, Kirgistan und die Freundschaft an.

2.8.2019

Wir frühstücken um 8:30, schon wieder mussten wir die Uhr um eine Stunde vorstellen. Dann geht es auf den Pamir Highway und wieder begeistert uns die Landschaft. Wir müssen zwei Pässe überwinden, einen mit 2400 m und einen mit 3600 m.

Hier oben auf 3615 m halten wir an für ein Erinnerungsfoto. Zwei Mädchen kommen gerade an und haben Stutenmilch in Ihrer Flasche zum Verkauf.

Sie schauen sich unser Auto interessiert an. Die Mädchen sind bunt bekleidet und haben wettergegerbte Wangen. Wir schenken ihnen einige Bonbons und sie freuen sich sehr. Natürlich machen wir auch ein Foto. Leider ist das auf der anderen Kamera.

Als wir losfahren wollen, springt der Volvo nicht mehr an. Die Luft ist zu dünn. Unglücklicherweise haben wir das Auto vor der Kuppe angehalten. Also schiebe ich mit den Mädchen zusammen das Auto rückwärts, so dass Bodo mit einer Wende wieder ein Stück den Berg hinunterfahren kann, um im 2. Gang zu starten. Dies Manöver klappt und jetzt heißt es nur nicht stehen bleiben und mit Schwung über die Kuppe. Die Mädchen winken uns hinterher.

Wir kommen unserem Ziel für diesen Tag näher. Wir sehen schon die hohen Gipfel des Pik Lenin. Das ist der höchste Berg im Pamirgebirge. Unten am Fluss möchten wir unser Lager aufbauen, umgeben von weiten Wiesen auf denen Pferde und Ziehen Weiden und riesigen Bergketten.

Doch ein Gewitter zieht heran, Es wird windig und kalt. Wir finden unseren Platz, er ist wirklich sehr schön.

Doch es dauert, bis wir bei dem Wind und der Kälte das Segeltuch aufgebaut und gespannt haben, um unser Abendbrot sicher geschützt einnehmen zu können.

Wir machen noch einen kleinen Spaziergang am trockenen Fluss entlang über die Wiesen zurück an zwei Pferdeherden vorbei.

Dann wird es Zeit fürs Abendbrot, denn es wird immer kälter.

Und kaum haben wir gegessen, beginnt es zu regnen. Der Himmel verfärbt sich dunkel und die ersten Blitze sind sichtbar. Es wird bitterkalt. Seit Wochen hat sich unser Körper an 35-40 Grad gewöhnt und jetzt plötzlich frieren wir extrem. Ja, wir sind auf einer Höhe von 3300 m, da wird es abends einfach kalt!

Wir ziehen alle unsere warmen Sachen an, die wir mitgebracht haben. Zum Schluss habe ich ein Unterhemd, ein T-Shirt, eine Wolljacke, meine Fleecewolljacke sowie meine Wollfleeceweste und natürlich auch eine Jeans und Socken an und friere immer noch.

So kriechen wir ins Auto in unser Bett und versuchen warm zu werden. Eng gekuschelt liegen wir unter zwei Wolldecken, aber selbst jetzt frieren wir noch.

Aber der Sternenhimmel ist herrlich und obwohl ich lange mit mir gezögert habe, gehe ich doch noch einmal raus um ihn mir anzuschauen. 180 Grad freier Himmel ohne Gebäude, das ist grandios. Ich sehe sofort eine Sternschnuppe, die ganz langsam gen Erde fällt und wünsche mir was. Nach der 2. Sternschnuppe und Wunsch krabbel ich wieder zu Bodo.

Am nächsten Morgen weckt uns die Sonne. Schnell raus zum Aufwärmen!

Bodo hört Wasser Rauschen und tatsächlich, als wir zum Flussbett gehen, sehen wir das Wasser langsam auf uns zufließen. Der gestern gefallene Regen der Berge ist nun bei uns im Tal angekommen, ein tolles Naturschauspiel. Die Pferde sind auch wieder da und trinken das frische Wasser. Einfach schön!

Und schön ist auch die Nachricht von Papa Fritz, das er wieder auf seinem Zimmer liegt und seine Werte besser sind. Der Wunsch an die Sternschnuppe hat sich erfüllt. ? Danke

3.8.2019

Wir fahren weiter, wir werden heute bis Jalal-Abad fahren und haben das Hotel Kok Art gebucht mit Dusche und schönem Bett.

Wir frühstücken direkt in Sary-Tash, in dem nächsten kleinen Dorf, in einem Café. Es ist ein einfaches Haus, eine junge Mutter steht hinter dem Tresen in einer Küche und spült. Ich frage, ob wir etwas Essen können, „Breakfast“, aber Sie versteht kein Englisch. Also sage ich Tschai und sie sagt Chicken, ich sage ok und Bodo fragt nach „Balik“ und auch das gibt es. So isst Bodo Fisch und ich Hühnchen mit frischem Salat und Bratkartoffeln, herrlich. Tee gibt es natürlich auch.

Ach, tut das gut, der Tee schmeckt auch und uns wird wieder richtig warm.

So ziehen wir nach und nach unsere Kleidung wieder aus und fahren los.

Auch von dieser Richtung aus ist die Landschaft wunderschön. Überall wieder sehen wir die kleinen Siedlungen in den Bergen, wo die Nomaden in Jurten oder auch zum Teil in ausgedienten Anhänger wohnen.

Die Pässe zurück sind schnell überfahren, die Stadt Osh wird wieder gemieden und am Nachmittag sind wir bereits in Jalal-Abad. Es ist herrlich zu duschen und das neue frisch gemachte Bett lädt zum Nachmittagsschläfchen ein. Wir bleiben im Hotel, lassen uns Lachmann (ein traditionelles Suppen-Nudelgericht) Mantis und Teigtaschen sowie Salat ins Hotel bringen und ruhen uns aus.

4.8.2019

Am nächsten Morgen fahren wir in die Berge, dort soll es Heilwasser geben.

Tatsächlich oben inmitten schöner Bäume ist ein Sanatorium. Zu Sowjetischer Zeit sicherlich gut besucht. Jetzt, da die meisten Russen nicht mehr im Land sind, erscheinen die Gebäude ziemlich heruntergekommen. Aber wir füllen uns das warme Wasser ab, das direkt aus der Erde nach oben kommt. Es schmeckt leicht salzig.

Dann geht es weiter. Wir kommen an einer Bushaltestelle vorbei, die auch den traditionellen Hut der kirgisischen Männer trägt.

Schnell sind wir auch schon am Fluss der gestaut wird und fahren durch ein wirklich unbeschreiblich schönes Tal. Unten sehen wir den türkisfarbenen Fluss, links und rechts sind hohe Berge. Eine einmalig schöne Strecke. Der Toktogul-Stausee, der größte Stausee in Kirgisistan. Wir hatten eigentlich vor auch dort am Fluss in der Nähe von Kara Köl zu campen, ein Tipp von Overländer, aber leider sind diese schönen Plätze von Reisenden völlig zugemüllt. Warum können eigentlich die meisten ihren Müll nicht wieder mitnehmen? Alle wollen die schönen Stellen genießen, aber hinterlassen den Nachfolgenden Reisenden immer ihre Hinterlassenschaften. Ist das so eine Art Markierung wie bei den Hunden???

Die Colaflasche ist noch harmlos. Wir stehen oben. Ein Weg führt unten ans Wasser und unten ist dann ein Wäldchen, uneinsehbar von der Straße, sehr romantisch, aber nichts für uns!

Wir fahren also weiter und bestaunen und genießen die Landschaft. Die Berge wechseln ihre Farbe von rot bis schwarz, die Hügel sind gestaucht oder fallen wie ein wunderbarer Vorhang ins Tal. Dann erscheinen runde grüne Hügel, die sanft ineinander verschmelzen. Das Auge kann sich nicht satt sehen. Wir dachten schon die Iranischen Berge oder auch Göreme in der Türkei kann man nicht toppen, aber diese Landschaft bewegt uns sehr, sie ist einfach unbeschreiblich schön.

Wir kommen in Toktogul an und fahren zu Rahat Guest House. Eine kirgisische Familie betreibt dort eine Pension mit vielen Zimmern. In der Mitte steht eine Jurte und im Garten wieder Betten, auf denen man Sitzen und essen kann.

Im Hof steht bereits schon ein Motorrad, das nach langen Reisen aussieht. Wir bekommen noch ein Zimmer.

Gegenüber sitzt ein Paar und unterhält sich mit der Besitzerin. Ich frage nach einem Messer für unsere Melone ? und wir kommen ins Gespräch. Das Paar kommt aus Neuseeland, Dick and Diana. Sie sind mit ihrem Motorrad in Vladiwostok gestartet und haben die Tour hinter sich, die wir noch vor uns haben. Wir laden sie ein die Melone mit uns zu teilen. Sie stimmen freudig zu.

So unterhalten wir uns ein paar Stunden über unsere Reise. Sie geben uns Tipps für unsere Fahrt, geben uns die Adresse für die Fähre nach Korea sowie die Adresse von einer Schiffsagentur für die Verschiffung des Volvos.

Die Mongolei sei eindeutig die schlimmste Strecke für sie gewesen, mit unserem Auto wären wir dort nicht durchgekommen.

Und sie können das einschätzen, denn sie sind schon um die ganze Welt gefahren, von Kanada bis zum Feuerland, durch Afrika und nun von Ost nach West. Den Iran, Armenien, Georgien und die Türkei haben sie schon durchfahren. Sie reisen seit 2012 und sind nun 72 bzw. 71 Jahre alt.

Jetzt müssen wir unsere Fahrt in die Mongolei noch gut überlegen. Wir wussten ja schon vorher, dass dies die schlimmste Route für das Auto wird.

Dick und Diana aus Neuseeland

5.8.2019

Wir frühstücken an einem großen Tisch mit vielen unterschiedlichen Gästen und führen nette Gespräche. Es sind junge Backpacker da, die mit einem Guide die Länder Kirgisistan und Tadschikistan durchfahren oder ein französisches Ehepaar in unserem Alter aus Nizza, die auch mit Rucksack unterwegs sind und Kirgisistan mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß erkunden. Er spricht auch Deutsch und erzählt uns, das er gerne auch zum Skilaufen nach Kasachstan fährt, das sei einmalig schön im Winter.

Wir fahren weiter in Richtung der Usbekischen Hauptstadt Bishkek. Ich habe ein Hotel ausgesucht mit Namen Koisha. Es liegt mitten im Zentrum, nahe dem Basar und hat einen ruhigen Innenhof und Parkplatz.

Die Fahrt geht wieder über zwei Pässe, genau wie zum Pamir Highway, allerdings sieht diese Landschaft wieder ganz anders aus. Unser Volvo schafft auch diese spektakulären Pässe mit Bravour, auch wenn ihm ab und zu mal ein paar Pferde im Weg standen.

Vor lauter Anspannung habe ich hauptsächlich nur mit einer Kamera fotografiert und kann leider nur ein paar Fotos hochladen. Habe dafür aber ein paar Fotos der „Alternativen Jurten“ gemacht.

Das Hotel in Bishkek finden wir sofort. Leider fällt heute fast immer der Strom aus und unser Zimmer ist recht dunkel.

Aber wir wollen eh lieber in den Garten, essen unsere Reste im schönen Garten, können uns Tee dazu kochen und unterhalten uns mit einer älteren Frau, die vor einem Laptop sitzt. Sie ist Italienerin und schon seit einigen Jahren in der Welt unterwegs. Sie erzählt uns ihre Reisewege und es klingt schon recht merkwürdig. Eigentlich wollte sie unterwegs Italienisch für Leute kochen, aber das hat wohl nicht funktioniert. Anscheinend hat sie keine Familie oder muss mit wenig Geld auskommen, aber das zu fragen habe ich mich nicht getraut.

Sie schreibt ein Kochbuch mit alten Rezepten, die sie historisch beschreibt und mit Geschichten hinterlegt. Sie ist gerade fertig und wenn wir es richtig verstanden haben, schauen sich jetzt Lektoren das Buch an, damit es bei Amazon angeboten werden kann. ?

Es gesellt sich Jeanne zu uns, eine französische Journalistin. Sie ist, wie Sie mir am nächsten Morgen erzählt, 70 Jahre alt und als wir über unsere Firmen erzählen teilt sie uns mit, dass Sie eigentlich Juristin ist und früher auch als Juristin in einem Unternehmen gearbeitet hat. Sie war 18 Tage in Tadschikistan und nun 18 Tage in Kirgisistan, übermorgen reist sie wieder ab. Jeanne war auch schon im Iran und erzählte uns die schönsten Geschichten.

Die Italienerin möchte nach Afghanistan und Pakistan reisen. Beide sind der Meinung, das man dies einfach machen kann, wenn man öffentliche Verkehrsmittel nutzt, sowie in Hotels übernachtet und tagsüber reist. Na ja, ich hätte jedoch keine Lust nach Pakistan zu reisen. Aber wie heißt noch der Spruch, „Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.“

Und was ist denn eigentlich wirklich gefährlich?

Für manche ist es schon gefährlich die Straße zu überqueren, für andere besteht die Gefahr darin alleine zu Hause zu vereinsamen.

Mit der Motorradfahrerin Diana bin ich im Gespräch auch auf Heidi Hetzer gekommen. Diane erzählte mir, was sie von ihr gehört hatte. Und ich konnte Ihr erzählen, dass Heide Hetzer zwei Mal im PS Speicher in Einbeck war und das sie leider verstorben ist.

Aber auch der Wunsch von Heide Hetzer der Weltenbummlerin ist nicht in Erfüllung gegangen. Sie wollte wohl am liebsten von einem LKW auf der Straße überrollt werden als im Bett zu sterben. Doch auch Heide Hetzer ist zu Hause in Berlin verstorben und nicht auf einer ihrer spektakulären Reisen.

Unsere Reise bleibt eine Reise der Begegnungen. Es ist wirklich interessant, soviel unterschiedliche Menschen kennenzulernen. Warum und weshalb reisen wir? Was bewegt uns oder auch nicht?

Wir jedenfalls haben für uns quasi auf der Hälfte der Reise festgestellt, das es uns sehr gut tut den Alltag hinter uns zu lassen.

Wir sind viel entspannter, blicken auf unser Leben und können nun aus der Ferne erkennen, wohin wir noch wollen, was uns gefällt und was wir ändern möchten. Manche Bilder erkennt man erst aus der Ferne so richtig.

Wir freuen uns schon sehr auf die nächsten Etappen unserer Reise.

Morgen jedoch müssen wir erst noch einmal mit dem Tapir Volvo in die Werkstatt. Das vordere Radlager macht Geräusche. Und wie es der Zufall so will, hat der Hotelmanager morgen mit seinem Auto auch einen Termin in der Werkstatt. Und sie haben auch Zeit für unseren Volvo. Mal sehen, wie sich die Kirgisischen Handwerker schlagen…..

6.8.2019

Auch ein großes Lob an die Kirgisischen Automechaniker. Sie haben sich bestens um den Volvo gekümmert. Das Radlager vorne war nicht kaputt, sondern musste nur nachgestellt werden. In diesem Zusammenhang haben sie aber auch gleich Generalcheck gemacht. Dabei haben sie die defekte Silentbuchse erneuert. Meine Worte: „Dann regst Du dich ja nicht mehr über das Tocken auf.“

Bodos Worte: „Ja und sie haben auch die Verteilergabe gereinigt, die Dichtung der Benzinpumpe erneuert, den Ölstand des Differentials geprüft und aufgefüllt (SAE90) – alles vorbereitet für die mongolischen Straßen oder auch für Sibirischen, falls wir die Mongolei umfahren.“

Preis: 24,-€ und die Autowäsche danach: 4,- €. Nun strahlt der Tapir Volvo wieder. (Und Bodo auch)

Bodo hat in der Waschanlage den Gastarbeiter Jürgen kennengelernt, der mit dem Quad das 1. Mal nach Kirgisistan gefahren ist und jetzt, Jahre später mit dem VW LT. Er hilft dem auch Deutsch sprechenden Waschanlagenbesitzer (Handwäsche) nun bei der Werbung und hat natürlich gleich den Volvo als Werbeträger für das deutsche Publikum in Pose gebracht. Schade, das Foto konnte mir Bodo nicht schicken und AirDrop funktioniert bei Bodo nicht. Aber das Foto poste ich noch nachträglich, versprochen.

Jürgen der Gastarbeiter Werbefachmann???

Ich habe die Zeit genutzt und bin endlich beim Friseur gewesen und habe auch 4,- € ausgegeben und als ich mit Bodo danach auf dem Basar war, ist doch auch tatsächlich Bodo zum Friseur ♂️ gegangen. Die wussten mit diesen dünnen Haaren gar nicht so richtig was sie machen sollten. Die Kirgisen haben sehr kräftiges schwarzes Haar und oftmals auch im Alter noch volles Haar.

Vermutlich muss man diese Haare öfters schneiden, den in Bishkek gibt es unzählige Friseure. Also haben wir diese Chance genutzt und uns hübsch machen lassen für die Weiterreise.

Morgen geht es zum zweitgrößten Gebirgssee der Welt, dem Ysyk Köl. Er liegt 1607 m über dem Meeresspiegel und wird von 118 Flüssen gespeist, hat aber keinen Ablauf. Wir werden dort in einer Jurte übernachten und dann hoffentlich auch endlich einmal im See baden, zumal der Salzgehalt sehr hoch sein soll, 6g/kg.

7.8.2019

Im Emily’s Guest House in Bökönbaev, an der Südküste, übernachten wir in einer Jurte mit drei Betten. Es ist sehr angenehm hier zu liegen, hier der Blick von mir an die Decke.

Ich war noch im Ysyk Köl See schwimmen und das war sehr erfrischend. Überall am See findet man Strände und es Baden viele Leute. Es ist ja der zweitgrößte Gebirgssee nach dem Titicaca-See. Beim Schwimmen hatte ich einen herrlichen Blick auf die schneebedeckten Berge, hinter denen schon China liegt. Wir sind nun schon ganz schön weit im Osten. Heute haben wir die 12000 Kilometer Marke geknackt.

Das Abendessen war lecker, vorweg gab es eine Suppe mit einer mit Mett gefüllten Paprika und danach die Kartoffeln mit Yakfleisch. Dazu tranken wir Tee und es gab Wassermelone und Aprikosen sowie Honig, Bonbons und Plätzchen.

In Kirgisistan machen viele Franzosen Urlaub und auch heute Abend haben wir mit 2 Gruppen, 6 Erwachsene und einem Kind zusammen gespeist.

Sie haben jeweils einen Guide dabei und das war ganz lustig. Einer der Guides meinte, es sei üblich in Kirgisistan zu singen und so versuchten wir es mit französischen Chansons und „Let it be“. Aus Deutschland kennen Sie immer nur Rammstein und das war uns doch zu heftig, zumal dies auch nicht unser Geschmack ist.

Anscheinend hatten die Franzosen am Abend zuvor schon Vodka getrunkenen , denn das Wort Vodka fiel des Öfteren. Da erinnerten wir uns gleich an unsere Flaschen, die wir an der Grenze gekauft hatten und siehe da, nach einigen Toasts war die Flasche schnell geleert und nach dem Yakfleisch tat es wohl auch allen ganz gut. Auch unser Kirgisischer Cognac, Bishkek, musste natürlich von den Franzosen getestet werden, na ja, geht so!

Der Guide meinte, wir sollten den Cognac mit Namen Kirgisistan kaufen, der sei besser. Das machen wir dann an der Grenze, wenn wieder Devisen übrig sind.

Die Kirgisen sagen: „Vodka erhält die Freundschaft“

8.8.2019

Wir reisen weiter, die Hausherrin hat und Emils Guest House empfohlen in der Nähe zur Kasachischen Grenze. Wir waren uns nicht sicher, ob diese Grenze offen ist, weil laut auswärtigem Amt diese Grenze nicht als Übergang angegeben wird. Aber Emil sagt, dass die Grenze auf ist und wir besser die „Gelbe“ Straße nehmen sollen anstelle der „Roten“, die sei noch schlechter. Emils Guesthouse liegt in den Bergen, Jyrgalan ist eine kleine Stadt, die 1950 gegründet wurde und in der es eine Kohlen Miene gab. Dort lebten 5000 Menschen und jetzt würden wir es als Kuhdorf bezeichnen, nachdem die Miene nicht mehr aktiv ist, ist es ein kleines Bergbauerndorf. Emil gefiel dieses Tal, er fährt gerne Ski und liebt Paragliding. So kaufte er ein heruntergekommenes Haus und baute sich diese Pension aus. Er kann, soviel ich das einschätzen kann ca. 20-25 Personen beherbergen. Seine Gäste sind Reisegruppen sowie Backpackers. Er wurde sogar vom Staat gefördert und bekam einen Preis. Er beschäftigt ca. 10 Guides, die Wandergruppen per Pferd oder per Pedes begleiten und 6 Personen sind im Service fest angestellt. Auch andere Leute aus dem Dorf haben Ihre Häuser bereits als Guesthouse umgebaut. Im Winter ist hier Hochsaison, die beste Zeit für ihn, da bleiben die Gäste auch für eine Woche. Die Straßen dorthin werden im Winter auch extra geräumt. Ja die Straßen, das waren für uns jetzt im Sommer 1,5 Std. reine Schotterstraßen, d.h. wir und das Auto waren entsprechen fertig bei der Ankunft. Die Landschaft hat uns aber wieder für die Anstrengung bezahlt.

9.8.2019

Es geht weiter, wir starten um kurz vor 9 Uhr, denn wieder sollen es nur Schotterstraßen sein. Und tatsächlich es wird immer schlimmer. Wir müssen sogar einen Berg hoch und auch wieder runter und bei der Runterfahrt sind wir froh, dass wir diese Strecke nicht rauffahren mussten. Aber der Volvo und Bodo meistern alles wie immer souverän und ich versuche die Pferde und Kühe auf der Strecke mitten auf dem Weg zu verscheuchen. Nach ca. 3 Stunden Schotterstraßen erreichen wir die Grenze.

Ein Schlagbaum mitten in der Landschaft, vorne weht die Kirgisische Flagge und hinten die Kasachische. Direkt nach uns treffen die Gäste aus der Jurte von Emily’s Guest House an der Grenze ein, die die Backpacker aus Emils Guesthouse auf der Strecke mitgenommen haben. Wir hatten ja leider keinen Platz für sie.

So schnell sind wir noch nie an einem Grenzübergang abgefertigt worden.

Länger hat es an einer Abzweigung einige Kilometer zuvor gedauert, wo ich bei einer „Bruchbude“ mit Kirgisischer Fahne, wo die „gelbe“ Straße auf die „rote“ Straße führt, ein Foto gemacht habe. Dort stand allerdings für mich nicht sichtbar ein Uniformierter, der uns bat sofort zu halten. Ein weiterer beleibter Geselle kam dann auf uns zu und sagte, „Foto niet“, kreuzte seine Arme und ich musste das Foto löschen und ihm die Kamera zeigen. Er faselte von irgendetwas, das entweder 3 Jahre Gefängnis oder auch nur 30000 Soms Strafe und Rückfahrt oder so ähnlich heißen soll. Ich versuchte es mit einem Lächeln, aber das kam nicht gut an, auch ok war nicht das richtige Wort. Sein Zauberwort war dann „personal Souvenir“ und da habe ich wohl genau das richtige Gesicht gemacht, so dass er meinte, ab ins Auto und weg.

Ja, so sind wir in Kirgistan verabschiedet worden, aber wir behalten dieses Land in sehr guter Erinnerung.